Voraussetzungen
- ASA 101 Basic Keelboat und ASA 103 Basic Coastal Cruising oder vergleichbare Erfahrung.
- Sicherer Umgang mit einem Fahrtenkielboot unter Segel und Motor, beim Ankern und beim Aufnehmen einer Mooring.
- Grundlegendes Lesen der Seekarte und Verständnis von Motor und Elektrik des Boots.
Lernziele
Diese Lektion behandelt, was der Standard ASA 104 Bareboat Cruising von dir verlangt und wie ein echter Bareboat-Charter von Anfang bis Ende abläuft. Am Ende kannst du:
- Erklären, was ASA 104 abdeckt und welche Erfahrung Schulen vorher erwarten.
- Eine gründliche Einweisung mit der Charterbasis durchführen, einschließlich Bordsystemen, Motor, Elektrik, Tanks und Beiboot.
- Das Inventar prüfen und vorhandene Schäden dokumentieren, damit sie dir nicht berechnet werden.
- Proviant planen und Diesel, Wasser und Batteriestrom für einen mehrtägigen Törn einteilen.
- Als Crew eine Mooringboje aufnehmen und Toiletten und Fäkalientank verantwortungsvoll bedienen.
- Das Boot sauber zurückgeben und deine Kaution zurückbekommen.
Was „Bareboat“ bedeutet
Bei einem Bareboat-Charter mietest du die Yacht ohne professionellen Skipper oder Crew. Du bist der Skipper. Das Charterunternehmen übergibt dir ein Boot im Wert von mehreren hunderttausend Dollar und vertraut darauf, dass du es segelst, ankerst, seine Systeme pflegst und es unbeschädigt zurückbringst. Charterunternehmen verlangen einen Segellebenslauf mit deinen Zertifikaten und deiner Erfahrung, und ein ASA-104-Zertifikat ist die Qualifikation, nach der die meisten fragen.
Der Standard ASA 104
ASA 104 folgt auf ASA 101 und ASA 103. Ein typischer Schulablauf, etwa der von Modern Sailing, sieht so aus:
- Voraussetzungen: ASA 101 und ASA 103 sowie etwa sechs Tage auf dem Wasser, drei davon als Skipper. Mit vergleichbarer Erfahrung kannst du stattdessen einen Segellebenslauf einreichen. Ist dein ASA 103 älter als drei Jahre, wollen Schulen meist einen aktuellen Lebenslauf, und wenn du über drei Jahre nicht gesegelt bist, wird vorher ein Auffrischungstörn empfohlen.
- Format: oft ein Kurs mit Übernachtung an Bord über drei Tage und zwei Nächte. Du planst und kaufst das Essen, übst Anlegen, segelst zu einem Ankerplatz, lernst die Bordsysteme kennen, navigierst, segelst nachts und schreibst am letzten Tag vor Anker die schriftliche Prüfung.
- Behandelte Fähigkeiten: Proviant und Kombüse; Ankern, Festmachen an der Mooring und Anlegen, einschließlich Manövrieren auf engem Raum mit einem größeren Einrumpfer; Elektrik, Mechanik und Sanitär; routinemäßige Motorchecks; Küstennavigation mit Kartenarbeit und GPS; Wetterinterpretation; Segeltrimm; Nachtsegeln; Gesundheit und Sicherheit der Crew; sowie Mensch-über-Bord-Manöver.
Die Anforderungen unterscheiden sich zwischen den Schulen, frag also bei deiner nach. Der Rest dieser Lektion ist das, worauf dich der Kurs vorbereitet: der Charter selbst.
Die Einweisung
Die meisten Basen beginnen mit dem Check-in am späten Nachmittag, gegen 17 Uhr, sobald die Yacht gereinigt, betankt und gewartet ist. Komm früh. Ein Mitarbeiter der Basis weist dich in die Bordsysteme und die Sicherheitsausrüstung ein, bespricht deine Route und gibt dir Tipps zu lokalem Wetter und Revier. Sieh das als deine einzige Gelegenheit, das Boot mit einem Experten an deiner Seite kennenzulernen.
Bordsysteme
- Funk: Mach einen Testruf über das fest eingebaute UKW-Funkgerät (VHF). Nimm ein Handfunkgerät als Reserve mit und teste es ebenfalls.
- Besondere Systeme: Lass dir Generator, Wassermacher, elektrische Winsch oder elektrische Toilette ein- und ausschalten zeigen und frag, was zu tun ist, wenn sie ausfallen. Auf einem Charter funktionierte die Ankerwinsch nur, wenn das Bugstrahlruder eingeschaltet war. Genau so ein Detail solltest du am Steg herausfinden, nicht vor Anker.
- Kartenplotter: Stell sicher, dass er auf eine Sprache und Einheiten eingestellt ist, die du verstehst. Frag, ob das Echolot die Tiefe unter dem Kiel oder unter der Wasserlinie anzeigt.
- Reffen: Frag, wie dieses Boot gerefft wird. Reffleinen sind von Boot zu Boot verschieden.
- Mängel: Bitte die Basis, alles zu notieren, was nicht funktioniert, bevor du ablegst.
Motor und Elektrik
- Bitte den Mitarbeiter, den Motorraum zu öffnen. Prüft gemeinsam Öl, Kühlmittel und Bilge. Auf einem Katamaran prüfst du beide Motoren und den Generator.
- Finde die Batterien und erfahre ihre Kapazität. Gäste lassen Ventilatoren und Licht an, und leere Batterien sind ein häufiges Problem beim Chartern.
- Lerne, wie du die Batteriebänke zusammenschaltest, wenn die Starterbatterie zu schwach ist, ob es einen Wechselrichter gibt und wie du zwischen Landstrom und Generator umschaltest.
- Finde den Kühlwassereinlass des Motors und seinen Seewasserfilter.
Diesel, Wasser und Kombüse
- Wisse, wie groß die Diesel- und Wassertanks sind und wie viele es gibt. Tankanzeigen sind oft unzuverlässig, verlass dich also nicht allein auf sie.
- Finde den Wassereinfüllstutzen und den Decksschlüssel dafür, den Schlauch und das Ventil, mit dem du von einem Wassertank auf den anderen umschaltest.
- Füll die Wassertanks vor dem Ablegen. Ein Ratgeber empfiehlt, rund 25 US-Gallonen pro Person und Tag einzuplanen, was weit mehr ist, als die meisten Fahrtensegler brauchen, wenn sie kurz duschen.
- Lass dir zeigen, wie man den Herd anzündet, wie viel Propan noch da ist und wie man die Flasche wechselt.
Beiboot und Außenborder
- Finde Fußpumpe und Riemen und lerne, wie du das Beiboot an den Davits hochziehst, absenkst und sicherst.
- Starte den Außenborder am Steg. Das beweist, dass der Motor läuft, und zeigt der Basis, dass er bei der Übernahme unbeschädigt war. Für Außenborder, die ins Wasser getaucht wurden, wird eine Schadensgebühr fällig.
- Prüfe den Kraftstoff und ob es ein Zweitakter (Öl im Kraftstoff gemischt) oder ein Viertakter ist.
- Frag nach den Schlössern für Beiboot und Außenborder und den Schlüsseln dazu.
Ankern
Prüfe, ob die Ankerwinsch funktioniert und ob eine Ankerkralle mit Entlastungsleine an Bord ist. Frag, welche Ankerplätze und Mooringfelder die Mitarbeiter empfehlen.
Inventar und Schäden
Verlange eine schriftliche Inventarliste, die die Ausrüstung an Bord und alle vorhandenen Schäden aufführt. Geh sie Punkt für Punkt durch, wobei ein Crewmitglied vorliest und ein anderes abhakt. Fotografiere oder filme den Rundgang und fotografiere jeden Kratzer, solange die Mitarbeiter der Basis dabei sind. Unterschreib die Liste und behalte eine Kopie. Wenn sie dir keine Kopie geben können, fotografiere jede Seite.
Fehlende Teile sind an der Basis leicht zu ersetzen und auf See schwer. Viele Unternehmen bieten statt einer hohen erstattbaren Kaution auch eine Schadensverzichtsversicherung (Damage Waiver) an. Lies sie sorgfältig: Oft sind Beiboot, Außenborder, Anker und Ankerkette ausgenommen, also genau die Dinge, die Charterer am häufigsten verlieren oder beschädigen.
Proviant
Plane die Mahlzeiten, bevor du einkaufst, so wie im ASA-104-Kurs. Bei manchen Basen kannst du Proviant vorab online bestellen; ansonsten geh vor dem Check-in in einen Supermarkt. Vergiss die Grundlagen nicht: Trinkwasser, Sonnencreme, Toilettenpapier, Reinigungsmittel und haltbare Lebensmittel. Prüfe, was in der Kombüse schon vorhanden ist, und frag, ob Ersatz-Motoröl an Bord ist und wo Ersatzteile und Werkzeug verstaut sind.
Moorings und Mooringbojen
Viele beliebte Chartergebiete haben Mooringbojen, die mit einer Kette an einem Grundanker oder Betonblock befestigt sind. Frag bei der Revierbesprechung, welche du nutzen darfst und wie die Gebühren bezahlt werden. Die Preise unterscheiden sich je nach Gebiet stark und werden oft bar bezahlt.
So nimmst du eine auf:
- Einigt euch vor der Anfahrt auf den Plan und die Rollen. Vereinbart Handzeichen oder nutzt Headsets, damit der Rudergänger Abstand und Geschwindigkeit kennt.
- Fahr langsam an, mit dem Bug gegen Wind oder Strom, je nachdem, was stärker ist.
- Ein Crewmitglied am Bug nimmt den Mooringstander mit dem Bootshaken auf. Ein zweites nimmt den Haken zurück, sobald der Stander an Bord ist.
- Belege den Stander auf der Bugklampe oder führe deine eigene Leine hindurch und zurück zu je einer Klampe auf jeder Seite.
Liegeplätze in belebten Marinas sind schnell belegt. Wenn du einen willst, musst du ihn selbst reservieren.
Toiletten und Fäkalientanks
Die Einweisung sollte erklären, wie die Toiletten benutzt werden und wie der Fäkalientank geleert wird. Gib einem Crewmitglied die Aufgabe, sich darum zu kümmern. Das US-Recht und die meisten Chartergebiete verbieten das Einleiten ungeklärter Abwässer in Häfen, Ankerbuchten und in Küstennähe, also pump an einer Absauganlage ab oder nur dort, wo es erlaubt ist, weit draußen. Fast jedes Charterunternehmen verlangt außerdem, dass der Fäkalientank bei der Rückgabe leer ist.
Die Rückgabe des Boots
Plane die Rückgabe im Voraus, um eine hohe Belastung deiner Karte zu vermeiden:
- Diesel und Fäkalientank: Tank Diesel voll und leere den Fäkalientank. Frag beim Check-out, welche Tankstelle am günstigsten ist. Manche bieten beim Tanken kostenloses Absaugen an.
- Aufräumen: Hinterlass das Boot einigermaßen sauber, sonst rechne mit einer Reinigungsgebühr.
- Rollen: Der Skipper erledigt die Übergabe mit den Mitarbeitern, während die Crew aufräumt, gemietete Ausrüstung zurückgibt und die Lebensmittel ausräumt.
- Probleme melden: Trag jeden Mangel in das Wartungsblatt der Basis ein. Bitte die Mitarbeiter, die Ankerwinsch vor deinen Augen zu testen.
- Zeitplan: Der Check-out ist oft gegen 9 Uhr am letzten Tag, und die meisten Charterer kommen am Abend vorher zurück. Im Mittelmeer verlangen viele Unternehmen das Boot am Vorabend zurück.
- Inspektion: Die Mitarbeiter prüfen Inventar und Schäden, und viele schicken einen Taucher, der Rumpf, Kiel und Ruder kontrolliert.
- Papiere: Lass dir Quittungen für alles Gemietete geben und bestätige schriftlich, wann die Kaution erstattet wird.
Durchgerechnetes Beispiel: Der erste Nachmittag
Deine vierköpfige Crew kommt um 15 Uhr an der Basis an. Der Skipper geht zur Einweisung, während zwei Crewmitglieder mit der Proviantliste in den Supermarkt gehen. Bei der Einweisung stellst du fest, dass die Wasseranzeige leer anzeigt, obwohl die Tanks gerade gefüllt wurden, dass das Echolot die Tiefe unter der Wasserlinie anzeigt (du ziehst also den Tiefgang von 6 Fuß ab) und dass die Reffleine an Steuerbord durchgescheuert ist. Du notierst die Anzeige und den Tiefenversatz im Logbuch, und die Basis ersetzt die Reffleine. Beim Inventarrundgang fotografierst du eine tiefe Schramme im Beiboot und lässt sie auf der Schadensliste eintragen. Du startest den Außenborder, prüfst die Ankerwinsch und legst am nächsten Morgen ab, weil du das Boot kennst.
Häufige Fehler
- Die Einweisung überstürzen, um schnell zum ersten Ankerplatz zu kommen.
- Vorhandene Schäden nicht fotografieren und sie dann bei der Rückgabe bezahlen.
- Den Tankanzeigen vertrauen und ohne Wasser dastehen.
- Ventilatoren und Kühlschrank über Nacht laufen lassen und die Starterbatterie leer vorfinden.
- Vergessen, vor der Rückgabe den Fäkalientank zu leeren oder Diesel zu tanken.
- Annehmen, dass der Damage Waiver Beiboot und Außenborder abdeckt.
Zusammenfassung
- ASA 104 bereitet dich darauf vor, eine Fahrtenyacht auf einem mehrtägigen Törn mit Übernachtung an Bord zu führen. Es ist das Zertifikat, nach dem Charterunternehmen am häufigsten fragen.
- Bei der Einweisung lernst du Bordsysteme, Motor, Elektrik, Tanks und Beiboot kennen. Stell Fragen.
- Prüfe das Inventar und dokumentiere Schäden schriftlich und mit Fotos, bevor du ablegst.
- Plane Mahlzeiten, Wasser und Strom für den ganzen Törn.
- Nimm Moorings mit einer eingewiesenen Crew auf und bediene den Fäkalientank im Rahmen der Gesetze.
- Gib das Boot sauber, vollgetankt und abgepumpt zurück und melde Mängel ehrlich.
Teste dein Verständnis
- Warum solltest du den Außenborder während der Einweisung starten? Um sicherzugehen, dass er funktioniert, und um zu zeigen, dass er bei der Übernahme unbeschädigt war.
- Das Echolot zeigt die Tiefe unter der Wasserlinie an, und dein Tiefgang beträgt 6 Fuß. Es zeigt 10 Fuß. Wie viel Wasser ist unter dem Kiel? Etwa 4 Fuß.
- Welche Dinge sind oft vom Damage Waiver ausgenommen? Beiboot, Außenborder, Anker und Ankerkette.
- Nenne zwei Dinge, die fast jedes Charterunternehmen vor der Rückgabe verlangt. Dieseltank füllen und Fäkalientank leeren.
- Warum vereinbart ihr vor dem Aufnehmen einer Mooring Handzeichen? Damit die Bugcrew dem Rudergänger mitteilen kann, wie weit die Boje entfernt ist und wie schnell ihr anfahrt.
Quellen
- https://www.modernsailing.com/content/bareboat-cruising-asa-104
- https://www.cruisingworld.com/charter/the-checklist-at-the-end-of-your-charter/
- https://www.sailconnections.com/faq/typical-charter-check-in-and-check-out-procedures/
- https://yachtwarriors.com/bareboat-charter-boat-briefing-checklist/
- https://boattest.com/view-news/6268_how-to-check-out-a-charterboat
- https://www.boatbookings.com/blog/?p=57402
- https://www.sailingchoices.com/going-away/check-in-check-out/