Voraussetzungen
- Das Buchstabieralphabet und wie man Zahlen im Funk deutlich ausspricht.
- Wissen, wie du deine Position als geografische Breite und Länge oder als Peilung und Abstand zu einem Punkt in der Seekarte angibst.
- Eine grobe Vorstellung davon, was ein UKW-Funkgerät (VHF) macht: Sprechfunk mit Sichtweite zwischen Booten und Land.
Lernziele
Diese Lektion behandelt den Kommunikationsteil des Standards ASA 103 Basic Coastal Cruising für US-Gewässer. Am Ende kannst du:
- Sagen, wann ein US-Freizeitboot eine Funklizenz braucht und wo du eine MMSI bekommst.
- Den richtigen Kanal für Anrufe, Gespräche mit anderen Booten, Brücke-zu-Brücke-Verkehr und die Coast Guard nutzen.
- Die Kanäle von NOAA Weather Radio finden.
- Mayday-, Pan-Pan- und Securite-Meldungen in der richtigen Reihenfolge absetzen.
- Einen DSC-Notalarm senden und Fehlalarme vermeiden.
- Eine 406-MHz-EPIRB oder -PLB bei NOAA registrieren.
Lizenz und MMSI
In den meisten Ländern brauchst du ein Funkzeugnis, um ein Seefunkgerät zu benutzen; deshalb machen RYA-Schüler den SRC-Kurs. In den USA ist das anders.
- Ein Freizeitboot, das gesetzlich nicht zum Mitführen eines Funkgeräts verpflichtet ist und UKW nur in US-Gewässern nutzt, braucht keine FCC-Seefunkstellenlizenz. Auch der Bediener braucht keine persönliche Lizenz.
- Eine FCC-Lizenz brauchst du, wenn du ausländische Häfen anläufst oder MF/HF-Einseitenband- (SSB) oder Satellitenfunk an Bord hast. Plane das ein, bevor du auf die Bahamas, nach Mexiko oder Kanada segelst.
Ein DSC-Funkgerät (Digital Selective Calling) braucht eine einprogrammierte 9-stellige MMSI (Maritime Mobile Service Identity). Ohne sie kann die rote Notalarmtaste den Rettern nicht mitteilen, wer du bist.
- Für die rein inländische Freizeitnutzung bekommst du eine kostenlose oder günstige MMSI von BoatUS, Sea Tow oder den US Power Squadrons. Diese Nummern gelten nur in US-Gewässern.
- Wenn du eine FCC-Seefunkstellenlizenz brauchst, kommt die MMSI von der FCC und gilt international.
- Gib die MMSI sorgfältig ein. Die meisten Geräte akzeptieren sie nur ein- oder zweimal, und eine falsche Eingabe bedeutet oft, dass das Gerät zum Hersteller zurück muss.
- Halte deine Registrierung mit den Daten deines Boots und deinen Notfallkontakten aktuell. Die Retter nutzen sie.
Der US-Kanalplan
Diese Kanäle wirst du in US-Gewässern am häufigsten nutzen (Tabelle des USCG Navigation Center):
| Kanal | Verwendung |
|---|---|
| 16 | Internationaler Not-, Sicherheits- und Anrufkanal. Höre ihn ständig mit. |
| 9 | Anrufkanal für Freizeitskipper. Nutze ihn für den Erstkontakt, damit 16 frei bleibt. |
| 13 | Brücke-zu-Brücke-Verkehr zur Sicherheit der Navigation. Große Schiffe (20 m oder mehr) hören ihn in US-Gewässern ab. Rufe ein Schiff hier an, wenn eine Kollision möglich ist. |
| 22A | Verbindung mit der Coast Guard und Sicherheitsmeldungen. International als 1022 bezeichnet. |
| 68, 69, 71, 72, 78A | Nicht gewerbliche Arbeitskanäle für Gespräche zwischen Booten und mit Marinas. 72 nur von Boot zu Boot. |
| 70 | Nur digitale DSC-Daten. Nie für Sprechfunk. |
So nutzt du sie:
- Rufe ein anderes Boot zuerst auf 16 oder 9 an.
- Sobald ihr Kontakt habt, vereinbart einen Wechsel auf einen Arbeitskanal: „Switch to six-eight“.
- Führe dein Gespräch dort zu Ende und kehre dann zum Mithören auf 16 zurück.
Wenn das Funkgerät eingeschaltet ist und du nicht auf einem anderen Kanal sprichst, bittet die Coast Guard Skipper, auf Kanal 16 oder 9 mitzuhören.
US- und internationaler Modus. Einige Kanäle, etwa 22A und 78A, sind reine US-„A“-Kanäle. Die meisten Geräte haben eine Einstellung US/INT/CAN. Lass sie in amerikanischen Gewässern auf US, sonst hörst du die Meldungen der Coast Guard auf 22A nicht. Die neueren vierstelligen Nummern (1022, 1078) sind die internationalen Bezeichnungen für dieselben Kanäle.
NOAA Weather Radio
Die Wetterkanäle WX1 bis WX7 (162,400–162,550 MHz) übertragen NOAA Weather Radio, eine durchgehende automatische Sendung mit örtlichen Vorhersagen, Warnungen und Beobachtungen. Sie sind nur zum Empfang. Die meisten Seefunkgeräte haben eine WX-Taste und einen Wetteralarm-Modus, der Alarm gibt, wenn der National Weather Service eine Warnung herausgibt. Welcher Kanal genutzt wird, hängt vom Gebiet ab; suche also den mit dem klarsten Signal für dein Segelrevier.
Die Coast Guard kündigt dringende nautische Informationen und Sturmwarnungen auf Kanal 16 an und verliest die Details dann auf 22A.
Notfall: Mayday
Verwende MAYDAY nur, wenn ein Fahrzeug oder eine Person in ernster und unmittelbarer Gefahr ist und sofort Hilfe braucht: Sinken, unkontrollierbares Feuer, eine Person über Bord, die nicht geborgen werden kann, eine lebensbedrohliche Verletzung.
Rufe auf Kanal 16 mit hoher Sendeleistung:
- „MAYDAY, MAYDAY, MAYDAY.“
- „This is sailing vessel Osprey, Osprey, Osprey“ (plus deine MMSI, falls vorhanden).
- „MAYDAY, Osprey.“
- Position: Breite und Länge oder Peilung und Abstand zu einem bekannten Punkt.
- Art des Notfalls: „We are taking on water and sinking.“
- Benötigte Hilfe: „Require immediate assistance.“
- Anzahl der Personen an Bord und eventuelle Verletzungen.
- Weitere Informationen: Beschreibung des Boots, „abandoning to life raft“ usw.
- „Over.“
Dann warte und hör zu. Wenn keine Antwort kommt, wiederhole den Ruf. Die Position steht am Anfang, denn ein abgebrochener Ruf ist trotzdem nützlich, wenn die Position durchgekommen ist.
Ein falsches Mayday ist in den USA eine Straftat nach Bundesrecht. Das gilt auch für einen „Mayday radio check“ auf Kanal 16, den die Coast Guard als Scherzanruf behandelt.
Dringlichkeits- und Sicherheitsmeldungen
PAN-PAN (ausgesprochen „pann-pann“) ist für eine dringende Lage, die noch nicht lebensbedrohlich ist: ein Mastbruch, ein ausgefallener Motor in der Nähe von Felsen, ein medizinisches Problem, bei dem du Rat brauchst. Verwende denselben Aufbau wie beim Mayday und beginne mit dreimal „PAN-PAN“.
SECURITE (ausgesprochen „sekürité“) ist für eine Sicherheitsmeldung zu Navigation oder Wetter, zum Beispiel ein treibendes Hindernis, ein großer Schleppverband in einem engen Fahrwasser oder die Bekanntmachungen der Coast Guard. Setze den Anruf auf 16 ab und gib die Details dann auf einem Arbeitskanal durch.
DSC-Notalarme
Ein DSC-Funkgerät, das mit einem GPS verbunden ist, kann mit einer Taste einen digitalen Notalarm senden:
- Klappe die rote Abdeckung hoch und halte die DISTRESS-Taste etwa fünf Sekunden gedrückt. Wenn Zeit ist, wähle vorher die Art des Notfalls.
- Der Alarm sendet deine MMSI und Position auf Kanal 70. Er wird wiederholt, bis eine Station ihn bestätigt.
- Danach schaltet das Gerät auf Kanal 16. Setze anschließend ein vollständiges Mayday per Sprechfunk ab.
Teste die Notalarmtaste nie. Wenn du einen Fehlalarm sendest, widerrufe ihn sofort per Sprechfunk auf Kanal 16: Nenne den Namen deines Boots und deine MMSI und sag, dass der Alarm irrtümlich gesendet wurde.
EPIRBs und PLBs
Eine 406-MHz-EPIRB (am Boot) oder PLB (an der Person) sendet ein Notsignal per Satellit über das internationale COSPAS-SARSAT-System. Sie funktioniert weit über die UKW-Reichweite hinaus.
- In den USA ist die Registrierung bei NOAA gesetzlich vorgeschrieben und kostenlos. Registriere dich unter beaconregistration.noaa.gov.
- Die Registrierung verknüpft die eindeutige Kennung deiner Bake mit deinem Boot, deinen Notfallkontakten und Törndaten, damit die Retter wissen, nach wem sie suchen.
- Aktualisiere sie, wenn du das Boot, die Telefonnummer oder den Eigentümer wechselst.
Praxisbeispiel: Motorausfall nahe einer Untiefe
Du fährst bei fallendem Wasser unter Motor in eine Einfahrt, als der Motor ausgeht. Der Wind ist schwach und drückt dich langsam auf eine Untiefe in 400 Yards Entfernung zu. Niemand ist verletzt, und das Boot macht kein Wasser.
- Das ist dringend, aber keine ernste und unmittelbare Gefahr, also ein Pan-Pan, kein Mayday.
- Bereite das Ankern vor. Rufe dann auf Kanal 16: „PAN-PAN, PAN-PAN, PAN-PAN. All stations, all stations, all stations. This is sailing vessel Osprey. Position: 300 yards southwest of green buoy 5, at the entrance to the inlet. Engine failure, drifting towards the shoal. Requesting a tow. Three people aboard. Over.“
- Die Coast Guard antwortet und bittet dich, auf 22A zu wechseln. Du wechselst und gibst dort weitere Details durch.
- Während du wartest, ankere, wenn möglich, lass alle Rettungswesten anlegen und beobachte die Drift.
Häufige Fehler
- Gespräche auf Kanal 16 führen, statt auf einen Arbeitskanal zu wechseln.
- Das Gerät in US-Gewässern im internationalen Modus lassen und die Meldungen auf 22A verpassen.
- Mayday für ein Problem rufen, das ein Pan-Pan ist, oder auf 16 nach einem Funkcheck fragen.
- Die MMSI nicht einprogrammieren, sodass die DSC-Notalarmtaste keine Kennung sendet.
- Die GPS-Verbindung vergessen, sodass DSC-Alarme keine Position enthalten.
- Eine EPIRB oder PLB nicht registrieren oder die Registrierung nicht aktualisieren.
Zusammenfassung
- Ein Freizeitboot in US-Gewässern braucht für UKW keine FCC-Lizenz. Für Fahrten ins Ausland oder SSB-Funk ist eine nötig.
- Ein DSC-Funkgerät braucht eine MMSI, für die Inlandsnutzung von BoatUS, Sea Tow oder den US Power Squadrons, sonst von der FCC.
- Nutze 16 für Notfälle und Anrufe, 9 als Anrufkanal für Freizeitskipper, 13 für Schiffe, 22A für die Coast Guard und 68, 69, 71, 72 oder 78A für Gespräche.
- Die WX-Kanäle übertragen NOAA Weather Radio.
- Mayday ist für ernste und unmittelbare Gefahr, Pan-Pan für dringende Probleme, Securite für Sicherheitsinformationen.
- Ein DSC-Alarm sendet deine MMSI und Position auf 70. Folge per Sprechfunk auf 16.
- Registriere 406-MHz-Baken bei NOAA. Das ist Pflicht und kostenlos.
Teste dein Wissen
- Brauchst du eine FCC-Lizenz für ein fest eingebautes UKW-Gerät auf einem Freizeitsegelboot, das nur in US-Gewässern genutzt wird? Nein. Du brauchst eine, wenn du ausländische Häfen anläufst oder SSB- oder Satellitenfunk nutzt.
- Du willst mit dem Boot eines Freundes sprechen. Auf welchem Kanal rufst du an, und wohin wechselst du? Rufe auf 16 oder 9 an und wechsle dann auf einen nicht gewerblichen Arbeitskanal wie 68, 69, 71 oder 72.
- Welchen Kanal hören große Schiffe für den Brücke-zu-Brücke-Verkehr ab? Kanal 13.
- Vor der Küste bricht dein Mast, aber niemand ist verletzt und das Boot sinkt nicht. Welche Meldung setzt du ab? Ein Pan-Pan.
- Was sendet ein DSC-Notalarm, und was musst du danach tun? Er sendet deine MMSI und Position auf Kanal 70. Setze danach ein Mayday per Sprechfunk auf Kanal 16 ab.
Quellen
- https://www.navcen.uscg.gov/radio-information-for-boaters
- https://www.navcen.uscg.gov/us-vhf-channel-information
- https://www.navcen.uscg.gov/gmdss-frequently-asked-questions
- https://www.boatus.com/MMSI/MMSI/AboutUs
- https://www.sarsat.noaa.gov/emergency-406-beacons/