Ankern

So berechnest du die Wassertiefe vor Anker: Niedrigwasser und Kettenlänge

Veröffentlicht · Zuletzt geprüft Oktober 2026

Um die Wassertiefe vor Anker zu ermitteln, lies die Tiefe am Echolot ab (auf Tiefe unter der Wasserlinie korrigiert), ermittle die Tidenhöhe jetzt und beim nächsten Niedrigwasser und ziehe den Fall ab. Tiefe bei Niedrigwasser = Tiefe jetzt − (Höhe jetzt − Höhe bei NW). Sie muss größer sein als dein Tiefgang plus eine Sicherheitsreserve. Stecke dann genug Kette für die Tiefe bei Hochwasser, in der Regel mindestens das Vierfache der Tiefe bei reiner Kette.

Yachten vor Anker in einer ruhigen Bucht bei Sonnenuntergang
Prüfe die Tiefe sowohl bei Niedrig- als auch bei Hochwasser, bevor du dich für die Nacht einrichtest. Foto: Julien Seguinot aus Lille, Frankreich, CC BY-SA 2.0.

Schritt 1: Wissen, was das Echolot anzeigt

Echolote können so eingestellt sein, dass sie die Tiefe unter dem Geber, unter dem Kiel oder unter der Wasserlinie anzeigen. Finde heraus, welche Anzeige deins hat, und rechne für Tidenberechnungen auf die Tiefe unter der Wasserlinie um. Zeigt es die Tiefe unter dem Geber an, addiere die Gebertiefe.

Querschnitt eines Ankerplatzes mit Tiefe bei Hochwasser, bei Niedrigwasser und der eingetragenen Tiefe
Prüfe, dass bei Niedrigwasser genug Wasser und bei Hochwasser genug Kette vorhanden ist.

Schritt 2: Wassertiefe bei Niedrigwasser berechnen

  1. Notiere die Tiefe jetzt (unter der Wasserlinie) und die Uhrzeit.
  2. Ermittle die Tidenhöhe jetzt aus Tafel und Kurve.
  3. Ermittle die Höhe des nächsten Niedrigwassers.
  4. Noch ausstehender Fall = Höhe jetzt − Höhe bei NW.
  5. Tiefe bei NW = Tiefe jetzt − noch ausstehender Fall.
  6. Prüfe, dass die Tiefe bei NW ≥ Tiefgang + Abstand ist (plane mehr ein, wenn Dünung zu erwarten ist).
Worked example
GrößeWert
Echolot (unter der Wasserlinie)6.0 m
Tidenhöhe jetzt4.2 m
Höhe des nächsten NW0.9 m
Noch ausstehender Fall (4.2 − 0.9)3.3 m
Tiefe bei NW (6.0 − 3.3)2.7 m
Tiefgang + 0,5 m Abstand2.1 m
Ergebnis0,6 m Reserve: OK

Prüfe auch das Niedrigwasser des nächsten Tages, wenn du bleibst, und denk daran, dass ein niedriges Springtideniedrigwasser deutlich tiefer sein kann als das Nipptideniedrigwasser von heute Abend. Über Nacht kann die Tide auch von Nipp- in Springtide übergehen.

Schritt 3: Wassertiefe bei Hochwasser und Kettenlänge berechnen

Ebenso gilt: Tiefe bei HW = Tiefe jetzt + (Höhe bei HW − Höhe jetzt). Die Kettenlänge richtet sich nach der tiefsten Stelle, die du erwartest. Eine übliche Regel lautet mindestens 4:1 bei reiner Kette und 6:1 oder mehr bei Kette-Leine-Kombination, gemessen vom Bugroller bis zum Grund. Bei starkem Wind oder schlechtem Ankergrund mehr stecken.

Diagramm zur Kettenlänge im Verhältnis zu Tiefe plus Freibord
Berechne die Kettenlänge aus der Tiefe bei Hochwasser plus der Höhe des Bugrollers.
  • Plane Schwojraum ein: Das Boot schwojt um den Anker im Radius aus Kettenlänge plus Bootslänge.
  • Prüfe die eingetragenen Tiefen rund um den Schwojkreis, nicht nur unter dem Boot.
  • Stelle einen Ankeralarm ein und notiere Peilungen an Land.

Mehr Details findest du unter So ankerst du mit einer Yacht und in der Lektion zum Ankern.

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Häufig gestellte Fragen

Wie viel Ankerkette sollte ich stecken?

Mindestens das Vierfache der maximalen Tiefe (bei Hochwasser) bei reiner Kette, und das Sechsfache oder mehr bei Kette und Leine. Bei starkem Wind mehr stecken.

Woran erkenne ich, ob ich vor Anker auflaufe?

Ziehe den noch ausstehenden Tidenfall von der aktuellen Tiefe ab. Ist das Ergebnis kleiner als dein Tiefgang plus eine Reserve, verlege dich in tieferes Wasser.

Zeigt das Echolot die Tiefe unter dem Kiel an?

Das hängt vom im Gerät eingestellten Versatz ab. Prüfe, welches Bezugsniveau es verwendet, bevor du dich bei Tidenberechnungen darauf verlässt.

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