Voraussetzungen
Du solltest die Internationalen Regeln zur Verhütung von Zusammenstößen auf See (KVR/COLREGs) auf dem Niveau von Powerboat Level 2 und Intermediate Powerboat kennen: die Ausweich- und Fahrregeln, grundlegende Lichter und Signalkörper sowie Schallsignale. Die Lektion Nachtnavigation in diesem Kurs behandelt das Erkennen von Fahrzeugen an ihren Lichtern, und die Lektion Radar und AIS behandelt Kollisionsverhütung mit Radar und Regel 19 bei verminderter Sicht. Diese Lektion konzentriert sich darauf, wie die Regeln gelten, wenn du das schnellste Fahrzeug auf dem Wasser bist.
Lernziele
Am Ende dieser Lektion solltest du Folgendes können:
- Annäherungsgeschwindigkeiten und die verfügbare Reaktionszeit berechnen, wenn ein schnelles Boot auf anderen Verkehr trifft (RYA-Lehrplan: Kollisionsverhütungsregeln, Anwendung bei hoher Geschwindigkeit).
- Die Regeln 5 bis 8 (Ausguck, sichere Geschwindigkeit, Möglichkeit der Kollisionsgefahr, Manöver zur Vermeidung von Zusammenstößen) auf einem Gleitboot anwenden (RYA-Lehrplan: Kollisionsverhütungsregeln).
- Die Regeln 13 bis 17 (Überholen, Entgegengesetzte Kurse, Kreuzende Kurse, Ausweichpflichtiges und Kurshaltepflichtiges Fahrzeug) anwenden, wenn du viel schneller als andere Fahrzeuge bist (RYA-Lehrplan: Kollisionsverhütungsregeln).
- In engen Fahrwassern und in der Nähe von Verkehrstrennungsgebieten nach den Regeln 9 und 10 sicher navigieren (RYA-Lehrplan: Kollisionsverhütungsregeln, Revierfahrt).
- Örtliche Geschwindigkeitsbegrenzungen einhalten und deinen Schwell kontrollieren (RYA-Lehrplan: Törnplanung, örtliche Vorschriften).
- Nachts die richtigen Lichter für ein Motorboot führen und die Lichter anderer erkennen (RYA-Lehrplan: Nachtfahrt, Lichter).
RYA-Lehrplanübersicht
| Lehrplanpunkt | Abschnitt |
|---|---|
| Kollisionsverhütungsregeln: Anwendung bei hoher Geschwindigkeit | Annäherungsgeschwindigkeiten |
| Kollisionsverhütungsregeln: Regeln 5 bis 8 | Regeln 5 bis 8 auf einem schnellen Boot |
| Kollisionsverhütungsregeln: Regeln 13 bis 17 | Wer weicht aus: Regeln 13 bis 17 |
| Kollisionsverhütungsregeln: enge Fahrwasser und VTG | Enge Fahrwasser und Verkehrstrennungsgebiete |
| Örtliche Vorschriften: Geschwindigkeitsbegrenzungen | Geschwindigkeitsbegrenzungen und Schwell |
| Nachtfahrt: Lichter | Lichter für Motorboote |
Annäherungsgeschwindigkeiten
Warum Geschwindigkeit alles verändert
Die meisten Kollisionssituationen auf See entwickeln sich langsam. Zwei Yachten mit 6 Knoten auf konvergierenden Kursen, auf 2 Seemeilen gesichtet, haben etwa zehn Minuten Zeit. Ein Motorboot mit 30 Knoten, das sich einer 15-Knoten-Fähre auf Gegenkurs nähert, schließt mit 45 Knoten auf: 2 Seemeilen in weniger als 3 Minuten.
Die schnelle Formel: Zeit bis zum Treffen (Minuten) = Entfernung (sm) × 60 ÷ Annäherungsgeschwindigkeit (kn).
| Deine Geschwindigkeit | Anderes Fahrzeug | Situation | Annäherungsgeschwindigkeit | Zeit für 2 sm |
|---|---|---|---|---|
| 30 kn | Yacht 6 kn | Gegenkurs | 36 kn | 3 min 20 s |
| 30 kn | Fähre 18 kn | Gegenkurs | 48 kn | 2 min 30 s |
| 30 kn | Schiff 12 kn | Kreuzend im rechten Winkel | etwa 32 kn | 3 min 45 s |
| 30 kn | Yacht 6 kn | Überholen | 24 kn | 5 min |
Bei 30 Knoten legst du eine Seemeile in 2 Minuten zurück, eine Kabellänge in 12 Sekunden und eine Bootslänge von 8 m in etwa einer halben Sekunde.
Die Konsequenz: früh entscheiden
Ein schnelles Boot hat zwei Vorteile: Es kann Kurs und Geschwindigkeit fast sofort ändern, und es kann fast allem aus dem Weg gehen. Die Gefahr ist, dass die Zeit zum Sehen, Entscheiden und Handeln kurz ist. Die Antwort darauf: weiter vorausschauen, früher entscheiden und entschlossen handeln, sodass das andere Fahrzeug es sehen kann.
Als Arbeitsregel auf einem Gleitboot: Erfasse alle Fahrzeuge bis etwa 3 Seemeilen voraus, entscheide spätestens bei 1 Seemeile, ob Kollisionsgefahr besteht, und schließe dein Ausweichmanöver deutlich vor einer halben Seemeile ab.
Regeln 5 bis 8 auf einem schnellen Boot
Regel 5: Ausguck
Jedes Fahrzeug muss durch Sehen und Hören sowie mit allen verfügbaren, den Umständen angepassten Mitteln (Radar, AIS, UKW) gehörigen Ausguck halten.
Auf einem schnellen Boot:
- Schau rundum, nicht nur nach vorn. Schnellere Fahrzeuge (andere RIBs, Ausflugs-RIBs, Jetskis, Schnellfähren) können dich überholen.
- Der Sektor voraus ist schwer einsehbar, wenn sich der Bug beim Angleiten hebt. Trimme den Bug herunter und verlangsame bei Bedarf.
- Gischt, Wind und Vibration trüben die Sicht. Trage bei Bedarf einen Augenschutz; reinige Scheiben und Brillen.
- Motorlärm bedeutet, dass du Schallsignale nicht hörst. Achte auf Dampf an der Pfeife, Blinklichter oder ein drehendes Fahrzeug.
- Teile einen Ausguck ein auf längeren Fahrten, wie in der Lektion Vorbereitung auf See. Der Rudergänger konzentriert sich auf die See und kann nicht gleichzeitig 360 Grad absuchen.
- Niedrige Objekte wie Kajaks, Schwimmer, Taucher und Reusenbojen sind bei Geschwindigkeit in Wellen fast unsichtbar. Verlangsame in der Nähe von Stränden, Hafeneinfahrten und Tauchplätzen.
Regel 6: Sichere Geschwindigkeit
Jedes Fahrzeug muss mit sicherer Geschwindigkeit fahren, sodass es geeignete und wirksame Maßnahmen zur Vermeidung eines Zusammenstoßes treffen und innerhalb einer den Umständen angemessenen Entfernung aufgestoppt werden kann. Regel 6 nennt zu berücksichtigende Faktoren, darunter:
- Sichtweite.
- Verkehrsdichte, einschließlich Ansammlungen von Fischereifahrzeugen.
- Manövrierfähigkeit, besonders Stoppstrecke und Drehvermögen.
- Hintergrundlicht bei Nacht, etwa Landlichter.
- Wind, Seegang und Strömung sowie die Nähe von Gefahren.
- Tiefgang im Verhältnis zur verfügbaren Wassertiefe.
Beachte, dass sichere Geschwindigkeit keine feste Zahl ist. Für ein Motorboot können 30 Knoten auf offenem Wasser bei guter Sicht sicher sein und in einem vollen Hafen, im Nebel oder nachts bei unbeleuchteten Reusenmarkierungen sehr unsicher. Verringere die Geschwindigkeit immer dann, wenn du nicht weit genug voraussehen kannst, um rechtzeitig aufzustoppen oder abzudrehen.
Regel 7: Möglichkeit der Gefahr eines Zusammenstoßes
Jedes Fahrzeug muss mit allen verfügbaren Mitteln feststellen, ob die Möglichkeit der Gefahr eines Zusammenstoßes besteht, und im Zweifelsfall ist diese Gefahr als gegeben anzunehmen.
- Stehende Peilung, abnehmende Entfernung bedeutet Kollisionsgefahr. Nimm eine Kompasspeilung des anderen Fahrzeugs oder richte es an einem festen Teil deines Boots aus (aber nur, wenn du Kurs und Geschwindigkeit konstant hältst).
- Große Fahrzeuge und geringe Entfernung: Selbst bei merklich wandernder Peilung kann noch Gefahr bestehen. Der Bug eines Schiffs kann frei passieren, das Heck aber nicht.
- Bei 30 Knoten bleiben dir zwischen zwei Peilungen vielleicht nur Sekunden. Die Radar-EBL und der AIS-CPA (Punkt der dichtesten Annäherung) helfen, wie in der Lektion Radar und AIS behandelt.
- Triff keine Annahmen auf Grund unzulänglicher Informationen, besonders unzulänglicher Radar- oder AIS-Informationen.
Regel 8: Manöver zur Vermeidung von Zusammenstößen
Jedes Manöver muss:
- Entschlossen sein: klar und eindeutig.
- Rechtzeitig ausgeführt werden.
- Groß genug sein, um für das andere Fahrzeug optisch oder per Radar schnell erkennbar zu sein. Kleine, wiederholte Kursänderungen sind das nicht.
- Guter Seemannschaft entsprechen.
Eine Kursänderung ist oft das wirksamste Manöver, wenn genügend Seeraum vorhanden ist. Eine Verringerung der Geschwindigkeit oder Aufstoppen kann nötig sein, um Zeit zu gewinnen oder eine Nahbereichslage zu vermeiden. Überprüfe die Wirksamkeit des Manövers, bis das andere Fahrzeug endgültig vorbei und klar ist.
Auf einem schnellen Boot ist meist eine Drehung um 60 Grad oder mehr nötig, damit sie deutlich erkennbar ist. Ein Gleitboot, das 10 Grad ändert, ist für den Wachoffizier eines Schiffs auf eine halbe Seemeile unsichtbar. Ebenso senkt das Abfallen aus der Gleitfahrt Bugwelle und Bug, was andere Fahrzeuge deutlich sehen.
Wer weicht aus: Regeln 13 bis 17
Regel 13: Überholen
Ein Fahrzeug, das sich einem anderen aus einer Richtung von mehr als 22,5 Grad achterlicher als querab nähert (sodass es nachts nur dessen Hecklicht sehen würde), ist ein Überholer und muss ausweichen. Dies gilt unabhängig von der Art des Fahrzeugs: Ein Motorboot, das eine Segelyacht oder einen Fischer überholt, muss sich freihalten.
Auf einem schnellen Boot bist du die meiste Zeit das überholende Fahrzeug.
- Halte großen Abstand zum überholten Boot. Dein Schwell kann eine Jolle zum Kentern bringen oder eine Yacht flachlegen.
- Kreuze nicht vor dem Bug des überholten Fahrzeugs, bevor du gut frei bist.
- Das Überholen endet nicht, wenn du längsseits bist: Du bleibst ausweichpflichtig, bis du endgültig vorbei und klar bist.
Regel 14: Entgegengesetzte Kurse
Wenn sich zwei Maschinenfahrzeuge auf entgegengesetzten oder fast entgegengesetzten Kursen nähern, ändert jedes seinen Kurs nach Steuerbord, sodass sie einander an Backbord passieren. Bei Tag siehst du die Masten des anderen Fahrzeugs in Linie oder fast in Linie; bei Nacht siehst du beide Seitenlichter oder die Topplichter in Linie.
Bei hohen Annäherungsgeschwindigkeiten ändere entschlossen und früh. Eine kleine Änderung nach Steuerbord von dir und eine kleine Änderung nach Backbord vom anderen Fahrzeug (die passiert, wenn ein Wachgänger die Lage falsch einschätzt) können direkt in die Kollision führen.
Regel 15: Kreuzende Kurse
Wenn sich die Kurse zweier Maschinenfahrzeuge so kreuzen, dass die Möglichkeit der Gefahr eines Zusammenstoßes besteht, muss das Fahrzeug ausweichen, welches das andere an seiner Steuerbordseite hat, und es soll vermeiden, den Kurs des anderen vorn zu kreuzen.
Als Motorboot mit viel Geschwindigkeit weichst du üblicherweise durch eine entschlossene Kursänderung nach Steuerbord aus und passierst hinter dem Heck des anderen Fahrzeugs. Wenn du stattdessen verlangsamen willst, tu es deutlich, damit die Änderung erkennbar ist.
Regel 16: Ausweichpflichtiges Fahrzeug
Handle frühzeitig und durchgreifend, um gut klar zu kommen.
Regel 17: Kurshaltepflichtiges Fahrzeug
Das kurshaltepflichtige Fahrzeug behält Kurs und Geschwindigkeit bei. Es darf handeln, sobald klar wird, dass das ausweichpflichtige Fahrzeug nicht angemessen handelt, und muss handeln, wenn ein Zusammenstoß durch das Manöver des Ausweichpflichtigen allein nicht mehr vermieden werden kann. Ein kurshaltepflichtiges Maschinenfahrzeug sollte dabei möglichst nicht nach Backbord ändern, wenn sich das andere Fahrzeug an seiner Backbordseite befindet.
Für ein Motorboot ist Kurshalten schwieriger, als es klingt. Ein schnelles Boot, das seinen Kurs hält, muss den Moment zum Handeln mit sehr wenig Zeit abschätzen. Wenn ein Schiff nicht ausweicht, handle früh: ändere nach Steuerbord oder drehe ab und stoppe auf. Gib nach Möglichkeit fünf kurze Töne (und wenn das andere Fahrzeug sie hören kann) und rufe über UKW, wenn du das Schiff über AIS identifizieren kannst.
Regel 18: Verantwortlichkeiten der Fahrzeuge untereinander
Denk daran, dass du als Maschinenfahrzeug in Fahrt manövrierunfähigen, manövrierbehinderten, fischenden und segelnden Fahrzeugen ausweichst, außer wenn Regel 13 (Überholen), Regel 9 (enge Fahrwasser) oder Regel 10 (VTG) etwas anderes bestimmen. Vermeide es außerdem, ein tiefgangbehindertes Fahrzeug zu behindern.
Enge Fahrwasser und Verkehrstrennungsgebiete
Regel 9: Enge Fahrwasser
- Halte dich so nahe am Steuerbordrand des Fahrwassers, wie es sicher und durchführbar ist.
- Ein Fahrzeug unter 20 m und ein Segelfahrzeug dürfen nicht behindern, wenn ein Fahrzeug nur innerhalb des Fahrwassers sicher fahren kann.
- Überquere ein enges Fahrwasser nicht, wenn dadurch ein Fahrzeug behindert wird, das nur innerhalb des Fahrwassers fahren kann.
- Vermeide es, in einem engen Fahrwasser zu ankern.
- Verwende die Überholsignale (zwei lange Töne gefolgt von einem oder zwei kurzen) in einem Fahrwasser, in dem das überholte Fahrzeug mitwirken muss, damit du passieren kannst.
- Nähert man sich einer Krümmung, hinter der andere Fahrzeuge verdeckt sein können, fahre mit besonderer Aufmerksamkeit und Vorsicht und gib einen langen Ton.
Die meisten Motorboote sind unter 20 m, also darfst du große Fahrzeuge in Fahrwassern nicht behindern. In der Praxis heißt das: halte dich aus dem Tiefwasserfahrwasser heraus, überquere es zügig im rechten Winkel und fahre außerhalb des betonnten Fahrwassers, wo die Tiefe es zulässt. Viele Häfen, etwa Southampton und Portsmouth, haben örtliche Regeln mit beweglichen Sperrzonen um große Schiffe; zum Beispiel reicht die Southampton Moving Prohibited Zone 1000 m vor großen Schiffen und 100 m zu jeder Seite. Informiere dich vorab bei der Hafenbehörde über die örtlichen Regeln.
Regel 10: Verkehrstrennungsgebiete
VTG gibt es in viel befahrenen Gebieten wie der Straße von Dover. Sie teilen den Verkehr in Einbahnwege, getrennt durch eine Trennzone.
- Nutze Küstenverkehrszonen, wo vorhanden: Fahrzeuge unter 20 m, Segelfahrzeuge und Fischereifahrzeuge dürfen sie benutzen.
- Vermeide es, ein VTG zu queren, wenn möglich. Wenn du musst, quere es mit einem Steuerkurs möglichst im rechten Winkel zur allgemeinen Verkehrsrichtung. Beachte, dass der Steuerkurs im rechten Winkel liegt, nicht der Kurs über Grund; das gibt den Schiffen das klarste Bild deiner Absichten und minimiert die Zeit in den Einbahnwegen.
- Behindere kein Maschinenfahrzeug, das einem Einbahnweg folgt (gilt für Fahrzeuge unter 20 m und Segelfahrzeuge).
- Halte dich aus der Trennzone heraus, außer im Notfall, beim Queren oder beim Fischen.
Auf einem schnellen Boot ist das Queren eines VTG schnell erledigt, aber der Verkehr ist auch schnell. Suche vor dem Queren nach Lücken im AIS-Bild, rufe bei Bedarf die Verkehrszentrale (VTS) und quere zügig mit dem richtigen Steuerkurs, ohne im Einbahnweg anzuhalten.
Geschwindigkeitsbegrenzungen und Schwell
Geschwindigkeitsbegrenzungen
Viele britische Häfen und Flüsse haben Geschwindigkeitsbegrenzungen, meist durchs Wasser, festgelegt durch örtliche Verordnungen. Üblich sind 6 oder 8 Knoten in Häfen und Flüssen und weniger in Liegefeldern. Manche Strände haben geschwindigkeitsbeschränkte Badezonen, markiert durch gelbe Bojen, oft 5 Knoten oder weniger innerhalb eines festgelegten Abstands vom Ufer. Es gibt Strafen, und Hafenmeister können und werden Verstöße verfolgen.
- Prüfe vorab die Website der Hafenbehörde oder den Almanach auf Begrenzungen.
- Geschwindigkeitsbegrenzungen gelten meist durchs Wasser. Mit 3 Knoten Strom gegen dich ist deine Fahrt über Grund deutlich geringer als die Begrenzung.
- Geschwindigkeitsbegrenzungen sind ein Maximum, kein Ziel. Regel 6 gilt weiterhin.
Schwell
Dein Schwell kann echten Schaden anrichten: kleine Boote kentern lassen, Menschen auf festgemachten Booten herumschleudern, Stege beschädigen und Ufer abtragen. Du bist für Schäden durch deinen Schwell verantwortlich.
- Der schlimmste Schwell entsteht bei Übergangsgeschwindigkeit (Hump Speed), wenn das Boot in die Gleitfahrt steigt. Ein Boot mit 10 bis 12 Knoten, Bug hoch und Heck tief, erzeugt einen viel größeren Schwell als eines in voller Gleitfahrt oder in Verdrängerfahrt. Wenn du in der Nähe anderer Boote verlangsamen musst, geh ganz aus der Gleitfahrt in Verdrängerfahrt.
- Schau zurück auf deinen Schwell, besonders in engen Flüssen.
- Passiere festgemachte Boote, Jollen, Kajaks und Taucher langsam und mit möglichst großem Abstand.
Lichter für Motorboote
Die Lektion Nachtnavigation behandelt das Erkennen von Lichtern und ihre Sektoren. Dieser Abschnitt betrifft die Lichter, die dein eigenes Boot führen muss.
Lichter für ein Maschinenfahrzeug unter 50 m (Regel 23)
- Ein Topplicht vorn, weiß, über 225 Grad nach vorn (von recht voraus bis 22,5 Grad achterlicher als querab auf jeder Seite).
- Seitenlichter: rot an Backbord und grün an Steuerbord, jeweils über 112,5 Grad.
- Ein Hecklicht: weiß, über 135 Grad nach achtern.
- Auf Fahrzeugen unter 20 m dürfen die Seitenlichter in einer Zweifarbenlaterne in der Mittschiffslinie zusammengefasst sein.
Erleichterungen für kleine Motorboote
- Ein Maschinenfahrzeug unter 12 m darf statt des getrennten Topplichts und Hecklichts ein weißes Rundumlicht und Seitenlichter führen. Das ist die Anordnung auf den meisten RIBs und Sportbooten.
- Ein Maschinenfahrzeug unter 7 m, dessen Höchstgeschwindigkeit 7 Knoten nicht überschreitet, darf nur ein weißes Rundumlicht führen und sollte, wenn durchführbar, Seitenlichter führen.
- Viele schnelle Motorboote unter 7 m können die 7-m-Erleichterung nicht nutzen, weil sie schneller als 7 Knoten sind, also müssen sie Seitenlichter führen.
Praktische Hinweise
- Das weiße Rundumlicht muss hoch genug sein, um über Konsole, Personen und Außenborderhaube sichtbar zu sein. Ein Licht, das hinter dem Kopf des Rudergängers verdeckt ist, ist kein Rundumlicht.
- In Gleittrimm hebt sich der Bug; niedrige Seitenlichter können durch die Schläuche eines RIB verdeckt werden.
- Gegenlicht vom Land kann deine Lichter vor den Landlichtern verschwinden lassen. Bedenke, wie andere dich sehen.
- Fahre nicht mit eingeschalteten Decksleuchten oder Suchscheinwerfer: Sie zerstören deine Nachtsicht und die Fähigkeit anderer, deine Lichter zu deuten.
- Führe eine wasserdichte Taschenlampe mit, um sie anderen Fahrzeugen zu zeigen und deinen Rumpf anzuleuchten, wenn du glaubst, nicht gesehen worden zu sein.
Was andere sehen
Denk daran, dass deine Lichter bei 30 Knoten die eines kleinen Motorboots sind, von dem andere Fahrzeuge vielleicht 10 Knoten erwarten. Ein Wachgänger kann deine Geschwindigkeit und die verfügbare Zeit stark falsch einschätzen. Ein weiterer Grund, nachts gut klar zu bleiben und in der Nähe von anderem Verkehr zu verlangsamen.
Rechenbeispiel: Kreuzende Kurse bei 28 Knoten
Du fährst auf einem 9-m-RIB mit 28 Knoten, Kurs 180 Grad, quer über eine viel befahrene Flussmündungsansteuerung. Die Sicht ist gut. Dein Ausguck meldet ein großes Schiff leicht an Steuerbord voraus, etwa 3 Seemeilen entfernt. Das AIS zeigt ein 200-m-Containerschiff, Kurs 270, Geschwindigkeit 14 Knoten, mit einem CPA von 0,1 Seemeilen in 6 Minuten.
Beurteilen. Das Schiff ist an deiner Steuerbordseite und kreuzt. Nach Regel 15 bist du ausweichpflichtig. Nach Regel 9 (wenn du im oder nahe dem Fahrwasser bist) und örtlichen Vorschriften darfst du es nicht behindern. Der CPA von 0,1 Seemeilen bestätigt Kollisionsgefahr; die Peilung steht.
Optionen.
- Entschlossen etwa 90 Grad nach Steuerbord ändern, auf Kurs 270 gehen und parallel zu seinem Kurs fahren, bis es vorbei ist, dann den Kurs wieder aufnehmen.
- Auf Verdrängerfahrt verlangsamen, es vorn passieren lassen und dann weiterfahren.
- Beschleunigen, um vor ihm zu kreuzen. Das verstößt gegen Regel 15 (Kreuzen vor dem Bug vermeiden), und bei einem Motorproblem auf halbem Weg liegst du vor dem Bug eines Schiffs, das eine Seemeile zum Aufstoppen braucht.
Entscheidung. Du wählst Option 1, früh. Bei 3 Seemeilen bleiben etwa 6 Minuten; bei 2 Seemeilen drehst du um 90 Grad nach Steuerbord. Der Schiffsoffizier sieht deinen Bug herumschwingen und dein Kielwasser sich ändern: deine Absicht ist klar. Nach zwei Minuten passiert das Schiff vor dir in deutlich mehr als einer halben Seemeile; du nimmst deinen Kurs wieder auf, passierst gut hinter seinem Heck und hältst dich von seiner Heckwelle frei, die am Heck eines großen Schiffs steil sein kann.
Hinweis. Wärst du in einem Fahrwasser mit beweglicher Sperrzone gewesen, hättest du 1000 m voraus und 100 m zu jeder Seite Abstand halten müssen, also wäre dasselbe Manöver früher nötig gewesen.
Häufige Fehler
- Nicht nach hinten schauen. Schnelle Boote überholen, aber noch schnellere können dich überholen.
- Kleine Kursänderungen. Eine 10-Grad-Drehung bei hoher Geschwindigkeit fällt niemandem auf; mach 60 Grad oder mehr daraus.
- Vor einem Schiff kreuzen, um Zeit zu sparen.
- Die Regeln so behandeln, als würden alle anderen einem schnellen Boot ausweichen. Beim Überholen hältst du dich immer frei, selbst von einem Schiff.
- Im Tiefwasserfahrwasser fahren vor großen Schiffen oder in einem VTG-Einbahnweg herumtrödeln.
- Bei festgemachten Booten auf Übergangsgeschwindigkeit verlangsamen, was den größten Schwell erzeugt.
- Vergessen, dass Geschwindigkeitsbegrenzungen durchs Wasser gelten.
- Auf einem schnellen Boot unter 7 m nur ein weißes Rundumlicht führen. Die 7-m-Erleichterung gilt nur, wenn die Höchstgeschwindigkeit 7 Knoten nicht überschreitet.
- Nachts annehmen, gesehen worden zu sein, wenn deine Lichter durch Gegenlicht oder deine eigene Crew verdeckt sind.
Zusammenfassung
- In Gleitfahrt sind Annäherungsgeschwindigkeiten hoch: 2 Seemeilen können in 2 bis 3 Minuten aufgebraucht sein. Schau weiter voraus, entscheide bei etwa 1 Seemeile und handle früh.
- Regel 5: halte 360-Grad-Ausguck und nutze alle Mittel. Regel 6: sichere Geschwindigkeit hängt von Sicht, Verkehr, Seegang und Stoppstrecke ab. Regel 7: stehende Peilung und abnehmende Entfernung bedeuten Gefahr; im Zweifel Gefahr annehmen. Regel 8: früh, entschlossen und deutlich handeln.
- Regel 13: ein Überholer hält sich von allem frei, was er überholt. Regel 14: auf Gegenkurs ändern beide nach Steuerbord. Regel 15: das Fahrzeug, das das andere an seiner Steuerbordseite hat, weicht aus und vermeidet es, vorn zu kreuzen. Regeln 16 und 17: Ausweichpflichtige handeln früh und durchgreifend; Kurshaltepflichtige halten Kurs, müssen aber handeln, wenn ein Zusammenstoß anders nicht vermieden werden kann.
- Regel 9: kleine Fahrzeuge halten sich an der Steuerbordseite und dürfen Fahrzeuge, die auf das Fahrwasser angewiesen sind, nicht behindern. Regel 10: quere ein VTG mit einem Steuerkurs im rechten Winkel und nutze Küstenverkehrszonen.
- Halte örtliche Geschwindigkeitsbegrenzungen (durchs Wasser) ein und halte deinen Schwell gering, indem du ganz aus der Gleitfahrt gehst.
- Motorboote unter 12 m dürfen ein weißes Rundumlicht und Seitenlichter führen; nur solche unter 7 m mit einer Höchstgeschwindigkeit von 7 Knoten oder weniger dürfen ausschließlich das weiße Rundumlicht führen.
Teste dein Wissen
- Du fährst 32 Knoten auf Gegenkurs zu einer Schnellfähre mit 20 Knoten, 3 Seemeilen entfernt. Wie lange bis zum Treffen?
Antwort: Die Annäherungsgeschwindigkeit beträgt 52 Knoten. 3 × 60 ÷ 52 = etwa 3,5 Minuten.
- Warum muss ein Motorboot in Gleitfahrt große Kursänderungen machen?
Antwort: Regel 8 verlangt ein Manöver, das groß genug ist, um für das andere Fahrzeug schnell erkennbar zu sein. Eine kleine Änderung bei hoher Geschwindigkeit ist mit dem Auge oder Radar schwer zu erkennen; 60 Grad oder mehr machen deine Absicht klar.
- Du überholst mit einem schnellen RIB eine Segelyacht. Wer weicht aus und bis wann?
Antwort: Du, nach Regel 13, bis du endgültig vorbei und klar bist. Das hat Vorrang vor der normalen Regel, dass Maschine Segel ausweicht, denn Überholen gilt unabhängig von der Art des Fahrzeugs.
- Ein Schiff kreuzt von deiner Backbordseite mit stehender Peilung. Welche Rolle hast du, und was darfst du tun, wenn es nicht ausweicht?
Antwort: Du bist kurshaltepflichtig und solltest Kurs und Geschwindigkeit beibehalten. Wenn klar wird, dass es nicht handelt, darfst du handeln, wobei du eine Drehung nach Backbord gegenüber einem Fahrzeug an deiner Backbordseite vermeidest. Wenn ein Zusammenstoß durch sein Manöver allein nicht vermieden werden kann, musst du handeln. Gib fünf kurze Töne und rufe nach Möglichkeit über UKW.
- Wie solltest du ein Verkehrstrennungsgebiet queren?
Antwort: Mit einem Steuerkurs möglichst im rechten Winkel zur allgemeinen Verkehrsrichtung, zügig und ohne Maschinenfahrzeuge in den Einbahnwegen zu behindern. Vermeide das Queren, wenn möglich, und nutze Küstenverkehrszonen, wo vorhanden.
- In welchem Teil eines engen Fahrwassers solltest du fahren, und was musst du vermeiden?
Antwort: So nahe am Steuerbordrand, wie es sicher und durchführbar ist. Als Fahrzeug unter 20 m darfst du ein Fahrzeug, das nur innerhalb des Fahrwassers sicher fahren kann, nicht behindern und das Fahrwasser nicht queren, wenn dies ein solches Fahrzeug behindert.
- Warum macht das Verlangsamen auf 10 Knoten bei festgemachten Booten deinen Schwell oft schlimmer?
Antwort: Bei 10 bis 12 Knoten sind die meisten Gleitboote auf Übergangsgeschwindigkeit, mit hohem Bug und eingegrabenem Heck, was den größten Schwell erzeugt. Geh stattdessen ganz aus der Gleitfahrt in Verdrängerfahrt.
- Dein 6-m-RIB hat eine Höchstgeschwindigkeit von 40 Knoten. Darfst du nachts nur ein weißes Rundumlicht führen?
Antwort: Nein. Die Erleichterung für ein weißes Rundumlicht gilt nur für Maschinenfahrzeuge unter 7 m mit einer Höchstgeschwindigkeit von höchstens 7 Knoten. Du musst Seitenlichter und ein weißes Rundumlicht führen (die Option für unter 12 m).
Weiterführende Literatur
- RYA-Lehrplan des Advanced Powerboat Course
- Internationale Regeln zur Verhütung von Zusammenstößen auf See 1972 (in der geänderten Fassung), wie in MSN 1781 (M+F) der MCA wiedergegeben
- RYA International Regulations for Preventing Collisions at Sea (G2)
- RYA Advanced Powerboat Handbook (G108)
- Bekanntmachungen und Verordnungen der örtlichen Hafenbehörde zu Geschwindigkeitsbegrenzungen und beweglichen Sperrzonen
- Verwandte Lektionen in diesem Kurs: Nachtnavigation, Radar und AIS, Schnelle Navigation, Vorbereitung auf See