Voraussetzungen
Keine. Dies ist die erste Lektion, die du lesen solltest, bevor du für den RYA-Kurs Competent Crew an Bord einer Yacht gehst. Du brauchst keine Segelerfahrung, nur die Bereitschaft, ein paar neue Wörter zu lernen. Bis zum Ende des ersten Vormittags an Bord wird der Skipper die meisten der folgenden Begriffe benutzen, und der Kurs läuft viel reibungsloser, wenn sie dir schon vertraut klingen.
Verwandte Lektionen: Leben an Bord und Wachsysteme behandelt, wie man an Bord lebt und kocht, Kurse zum Wind und Steuern erklärt, wie die Segel das Boot antreiben, und Knoten und Tauwerk behandelt die Leinen im Detail. Diese Lektion gibt dir das Vokabular für alle drei.
Lernziele
Am Ende dieser Lektion solltest du Folgendes können:
- Die wichtigsten Teile von Rumpf und Deck einer Segelyacht benennen (RYA-Lehrplan Competent Crew: Kenntnis seemännischer Begriffe und der Teile eines Bootes, seines Riggs und seiner Segel).
- Das stehende und das laufende Gut beschreiben und sagen, wozu jedes Teil dient.
- Die Teile und Kanten eines Segels sowie die Leinen zum Setzen und Trimmen benennen.
- Richtungs- und Positionsbegriffe richtig verwenden: Backbord, Steuerbord, voraus, achtern, Luv, Lee, querab, am Bug und achteraus.
- Alltägliche seemännische Begriffe in Kommandos an Deck verstehen.
- Die wichtigsten Systeme unter Deck finden und erkennen: Motor, Seeventile, Bilgepumpen, Elektrik, Gas und Toilette.
Zuordnung zum RYA-Lehrplan
| Punkt im RYA-Lehrplan | Wo er behandelt wird |
|---|---|
| Seemännische Begriffe und Teile eines Bootes | Der Rumpf, An Deck |
| Rigg und Segel | Das Rigg, Die Segel |
| Richtungen und relative Peilungen | Richtungen und Positionen |
| Kommandos und Rufe verstehen | Alltägliche seemännische Begriffe |
| Bordalltag und Sicherheit unter Deck (Einführung) | Systeme unter Deck |
Warum die Wörter wichtig sind
Segeln hat seine eigene Sprache, und Neulinge halten sie oft für Fachjargon um seiner selbst willen. Das ist sie nicht. Auf einem fahrenden Boot bei Wind und Lärm muss ein Kommando kurz und unmissverständlich sein. „Backbord-Fockschot fieren“ benennt genau eine Leine und eine Handlung. „Lass das Seil links ein bisschen raus“ hängt davon ab, in welche Richtung der Sprecher schaut und welche der sechs Leinen auf der linken Seite er meint.
Der andere Grund ist die Sicherheit. Wenn der Skipper „Achtung Baum!“ ruft, musst du sofort wissen, welche schwere Metallstange gleich in Kopfhöhe durch die Plicht schwingt. Die Wörter zu lernen ist das erste Stück Seemannschaft.
Ein guter Tipp: Lerne die Begriffe in Gruppen, indem du am ersten Tag um das Boot gehst und jedes Teil berührst, während du es benennst. Die meisten Ausbilder machen genau diesen Rundgang am ersten Morgen.
Der Rumpf
Der Rumpf ist der Körper des Bootes: die wasserdichte Schale, die schwimmt. Die meisten modernen Fahrtenyachten bestehen aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK); manche sind aus Stahl, Aluminium oder Holz.
Enden und Seiten
- Bug: das vordere Ende des Bootes. Das spitze Ende.
- Heck: das hintere Ende des Bootes. Viele moderne Yachten haben ein breites, offenes Heck mit einer Badeplattform und einer Badeleiter.
- Spiegel: die flache oder fast flache Fläche quer über dem Heck.
- Backbord: die linke Seite, wenn du zum Bug schaust. Ihr Positionslicht ist rot. Eine einfache Merkhilfe: Backbord und rot sind die kürzeren Wörter im Vergleich zu Steuerbord und grün (im Englischen: „there is a little red port left in the bottle“ – ein Rest roter Portwein ist links in der Flasche).
- Steuerbord: die rechte Seite, wenn du zum Bug schaust. Ihr Positionslicht ist grün.
- Bordwand (Freibordseiten): die Seiten des Rumpfes oberhalb der Wasserlinie.
- Wasserlinie: wo das Wasser den Rumpf berührt, wenn das Boot ruhig im Wasser liegt.
- Freibord: die Höhe von der Wasserlinie bis zur Deckskante. Hohes Freibord hält das Deck trockener, macht es aber schwerer, aus dem Wasser oder aus einem Beiboot wieder an Bord zu kommen.
- Bilge: der tiefste Teil im Inneren des Rumpfes, wo sich eindringendes Wasser sammelt. „Bilge kontrollieren“ heißt: Bodenbretter hochnehmen und nachsehen.
Unterwasserteile
- Kiel: die Flosse unter dem Rumpf, die verhindert, dass das Boot seitlich weggedrückt wird, und die den Ballast trägt (schweres Blei oder Eisen), der es aufrecht hält. Eine typische Fahrtenyacht von 10 bis 12 Metern hat einen Kiel mit 2 bis 3 Tonnen Ballast, etwa ein Drittel ihres Gesamtgewichts. Übliche Bauarten sind der Flossenkiel (eine einzelne tiefe Flosse), Kimmkiele oder Doppelkiele (zwei flachere Flossen, mit denen das Boot auf einem trockenfallenden Liegeplatz aufrecht stehen kann) und Hubkiele.
- Tiefgang: die Tiefe des Bootes unter der Wasserlinie, meist bis zur Unterkante des Kiels gemessen. Eine typische 11-Meter-Yacht hat etwa 1,8 bis 2,0 Meter Tiefgang. Der Skipper muss den Tiefgang kennen, um nicht auf Grund zu laufen.
- Ruder (Ruderblatt): das senkrechte Blatt am Heck, mit dem das Boot gesteuert wird. Es wirkt nur, wenn Wasser daran vorbeiströmt; deshalb lässt sich ein Boot ohne Fahrt durchs Wasser nicht steuern.
- Skeg: eine kleine feste Flosse vor manchen Rudern, die sie schützt und stützt.
- Propeller und Welle oder Saildrive: Der Motor treibt den Propeller entweder über eine Welle an, die schräg aus dem Rumpf austritt, oder über einen Saildrive, der senkrecht durch den Rumpf nach unten führt. Leinen im Wasser nahe dem Heck können sich um den Propeller wickeln; halte deshalb unter Motor Schoten und Leinen an Bord.
Größenbegriffe
- LüA (Länge über alles): die gesamte Länge des Rumpfes.
- Breite: die größte Breite. Das Wort „querab“ (siehe unten) hängt im Englischen mit diesem Begriff („beam“) zusammen.
- Verdrängung: das Gewicht des Bootes, gleich dem Gewicht des Wassers, das es verdrängt.
An Deck
Rund um die Deckskante
- Deck: die obere Fläche, auf der du gehst. Viele Decks haben eine rutschfeste Struktur; Teakdecks sind rutschig, wenn sie vom Tau nass sind.
- Fußleiste (Scheuerleiste): eine niedrige Kante entlang der Deckskante, nützlich, um einen Fuß abzustützen, wenn das Boot krängt.
- Seezaun (Relingsdrähte): die Drähte rund um die Deckskante in etwa Knie- bis Oberschenkelhöhe, auf Yachten über etwa 8 Metern meist in zwei Reihen. Sie werden von Relingsstützen (senkrechten Pfosten) gehalten. Der Seezaun hilft, nicht über Bord zu fallen, ist aber nicht stark genug, um einen Lifebelt daran einzupicken. Setz dich nie darauf und lehn dich nicht mit deinem Gewicht dagegen.
- Bugkorb: der stabile Edelstahlrahmen um den Bug.
- Heckkorb: der Rahmen um das Heck. Flaggenstock, Danbojen und Hufeisen-Rettungsring sind oft hier angebracht.
- Strecktaue (Jackstays): stabile Leinen oder flache Gurtbänder, die auf jeder Seite längsschiffs über das Seitendeck laufen, eigens zum Einpicken der Sicherungsleine des Lifebelts. Pick dich bei rauem Wetter oder nachts ein, bevor du die Plicht verlässt.
- Seitendecks: die schmalen Gänge auf beiden Seiten des Kajütaufbaus.
Beschläge für Leinen
- Klampe: ein Beschlag mit zwei Hörnern, an dem eine Leine belegt wird. Es gibt Festmacherklampen am Bug, am Heck und mittschiffs.
- Lippklampe (Verholklampe): ein Beschlag, der eine Leine sauber über die Deckskante führt und Schamfilen verhindert.
- Winsch: eine Trommel mit Getriebe, mit der stark belastete Leinen wie Schoten und Fallen dichtgeholt werden. Sie dreht im Uhrzeigersinn. Eine Winschkurbel wird oben eingesteckt, um mehr Kraft zu haben; nach Gebrauch wird sie immer herausgenommen und verstaut, damit sie nicht herausfliegen oder über Bord gehen kann.
- Selbstholende Winsch: eine Winsch mit einer Klemmbacke oben, die die Leine greift, sodass eine Person gleichzeitig kurbeln und durchholen kann.
- Fallenstopper (Stopper): ein Hebelbeschlag auf dem Kajütdach, der eine Leine festklemmt. Fallen und Reffleinen laufen meist durch Stopper. Öffne nie einen belasteten Stopper, ohne vorher die Leine um eine Winsch gelegt und die Last übernommen zu haben, sonst kann sie heftig ausrauschen.
- Block: das seemännische Wort für eine Umlenkrolle.
- Schiene und Schlitten: eine Metallschiene mit einem verschiebbaren Beschlag, der einen Block nach vorn und achtern oder seitlich bewegt. Der Genuaschlitten bestimmt den Winkel der Vorsegelschot; der Traveller lässt die Großschot quer über das Boot wandern.
Plicht und Kajütaufbau
- Plicht (Cockpit): der vertiefte Arbeits- und Sitzbereich, meist am Heck, wo sich das Ruder befindet.
- Ruder (Steuerstand) und Rudergänger: der Platz zum Steuern und auch die Person, die steuert. Kleinere Yachten haben eine Pinne (einen Hebel oben am Ruderschaft); größere Yachten ein Steuerrad. Bei einer Pinne drückst du sie von der Seite weg, in die du fahren willst; ein Rad dreht man wie das Lenkrad eines Autos. Das wird ausführlich in Kurse zum Wind und Steuern behandelt.
- Steuersäule: der Sockel vor dem Rad, der den Steuerkompass und oft die Motorbedienung und den Kartenplotter trägt.
- Backskiste: ein Stauraum unter den Plichtsitzen für Fender, Leinen, Pützen und Ähnliches.
- Kajütaufbau (Kajütdach): das erhöhte Dach über der Kajüte. Die Leinen vom Mast werden meist darauf nach achtern in die Plicht geführt.
- Sprayhood: der faltbare Stoffschutz vorn an der Plicht über dem Niedergang.
- Bimini: ein Sonnendach über der Plicht.
- Niedergang: der Eingang mit Stufen von der Plicht hinunter in die Kajüte, verschlossen durch ein Schiebeluk und Steckschotten (herausnehmbare Bretter). Geh immer mit dem Gesicht zu den Stufen hinauf und hinunter.
- Luk: eine Öffnung im Deck, auf die du nie treten solltest (manche sind rutschig und nicht dafür gebaut, Gewicht zu tragen). Das Vorluk ist das große Luk am Bug.
- Ankerkasten und Ankerwinde: Die Ankerkette liegt in einem Kasten im Bug und wird von einer elektrischen oder manuellen Winde, der Ankerwinde, eingeholt. Halte Finger und Füße jederzeit von der Kette und der Kettennuss (dem gezahnten Rad) fern.
Das Rigg
Das Rigg ist der Mast mit allem, was die Segel trägt. Es wird in stehendes Gut (fest) und laufendes Gut (verstellbar) unterteilt.
Mast und Baum
- Mast: die hohe senkrechte Spiere. Auf einer Yacht von 10 bis 12 Metern ragt er typischerweise 14 bis 16 Meter über das Wasser. Denk daran, wenn du unter Brücken und Stromleitungen hindurchfährst.
- Baum: die waagerechte Spiere entlang der Unterkante des Großsegels. Er ist am Lümmelbeschlag am Mast drehbar gelagert. Wenn das Boot halst (das Heck durch den Wind dreht), schwingt der Baum mit großer Wucht durch die Plicht; deshalb heißt der Ruf „Rund achtern!“ bzw. „Halse!“: Köpfe runter.
- Salinge: kurze waagerechte Streben auf halber Masthöhe, die die Wanten nach außen drücken und ihnen einen besseren Winkel geben. Signal- und Gastlandflaggen werden unter der Saling gesetzt.
- Masttopp: die Spitze des Mastes, meist mit Windmessgeber, UKW-Antenne, Dreifarbenlaterne oder Ankerlicht und einem Windanzeiger wie dem Windex.
Stehendes Gut
Diese Edelstahldrähte halten den Mast und werden beim Segeln normalerweise nicht verstellt.
- Vorstag: von der Mastspitze (oder nahe der Spitze) zum Bug. Das Vorsegel wird daran angeschlagen.
- Achterstag: vom Masttopp zum Heck.
- Wanten: die seitlichen Drähte vom Mast zum Deck auf jeder Seite, befestigt an Püttings. Oberwanten gehen zum Masttopp; Unterwanten sind weiter unten angeschlagen.
- Wantenspanner: Gewindebeschläge am unteren Ende jedes Drahts zum Einstellen der Spannung, gesichert mit Splinten, die meist abgeklebt sind. Beschädigtes Klebeband kann Segel und Haut aufreißen; melde also jedes lose Klebeband.
Ein gebrochenes Want oder Vorstag kann den Mast zum Einsturz bringen. Wenn du oben im Rigg einen Knall hörst oder einen losen Draht siehst, sag es sofort dem Skipper.
Laufendes Gut
Das sind die Leinen, mit denen die Segel gesetzt und bedient werden. Jede hat ihren eigenen Namen, und auf den meisten Yachten sind sie farbig gekennzeichnet.
- Fall: eine Leine, mit der ein Segel am Mast hochgezogen wird (Großfall, Genuafall, Spinnakerfall). Merke: Mit dem Fall wird das Segel gesetzt (geheißt).
- Schot: eine Leine, die den Winkel eines Segels zum Wind einstellt. Es gibt eine Großschot und ein Paar Vorsegelschoten (Backbord und Steuerbord). Eine Schot ist nie ein Segel (im Englischen heißt sie „sheet“ – das führt Anfänger oft in die Irre).
- Baumniederholer (Kicker): zieht den Baum nach unten, hält das Großsegel flach und verhindert, dass der Baum steigt.
- Dirk: hält das Ende des Baums oben, wenn das Großsegel geborgen ist.
- Unterliekstrecker: zieht die untere hintere Ecke des Großsegels am Baum entlang nach achtern.
- Reffleinen: ziehen einen Teil des Großsegels herunter, um es bei starkem Wind zu verkleinern.
- Reffleine der Rollanlage: rollt das Vorsegel bei einer Rollreffanlage um das Vorstag.
- Bullenstander: eine Leine vom Baumende nach vorn, die beim Vorwindsegeln eine Patenthalse verhindert.
Die Segel
Die meisten Fahrtenyachten sind Sloops: ein Mast, ein Großsegel und ein Vorsegel.
Die beiden Hauptsegel
- Großsegel (Groß): das Segel hinter dem Mast, angeschlagen am Mast und am Baum. Viele Charteryachten haben eine Rollgroßanlage im Mast, die das Groß in den Mast einrollt, oder ein Bindereff mit Lazyjacks und einem Lazybag auf dem Baum.
- Vorsegel: das Segel vor dem Mast, am Vorstag gesetzt. Ein großes Vorsegel, das den Mast überlappt, ist eine Genua; ein kleineres eine Fock. Die meisten Fahrtenyachten haben eine Rollgenua, die sich teilweise einrollen lässt, um sie zu verkleinern.
- Spinnaker oder Gennaker: ein großes, leichtes, buntes Segel zum Segeln vor dem Wind bei leichtem Wind. Wird meist nur mit erfahrener Crew gefahren.
Teile eines Segels
Jedes dreieckige Segel hat drei Ecken und drei Kanten (Lieken).
| Ecke | Wo | Kante | Wo |
|---|---|---|---|
| Kopf | Oben | Vorliek | Vorderkante, entlang Mast oder Vorstag |
| Hals | Vorn unten | Achterliek | Hinterkante |
| Schothorn | Hinten unten | Unterliek | Unterkante |
Merkhilfe: Das Vorliek ist die vordere, das Achterliek die hintere Kante. Das Fall zieht den Kopf nach oben; die Schoten sind am Schothorn angeschlagen.
Weitere Segelbegriffe:
- Segellatten: steife Streifen in Taschen am Achterliek des Großsegels, die seine Form stützen.
- Windfäden (Telltales): kurze Bänder oder Wollfäden am Segel, die zeigen, wie die Luft strömt. Sie sind dein Leitfaden beim Trimmen und werden in Kurse zum Wind und Steuern behandelt.
- Reffbändsel und Reffkauschen: verstärkte Augen und kleine Bänder, die beim Reffen benutzt werden.
Richtungen und Positionen
Segler geben Richtungen bezogen auf das Boot an, nicht auf die sprechende Person, damit alle dasselbe meinen, egal in welche Richtung sie schauen.
Entlang des Bootes
- Voraus (nach vorn): in Richtung Bug. „Geh nach vorn“ heißt: geh Richtung Bug.
- Achtern: in Richtung Heck.
- Mittschiffs: die Mitte des Bootes, entweder der Länge oder der Breite nach. „Ruder mittschiffs“ heißt: Rad oder Pinne in die Mitte stellen.
- Längsschiffs: entlang der Länge des Bootes.
- Querschiffs: quer über das Boot.
- An Deck, unter Deck, im Rigg: auf dem Deck, in der Kajüte, oben am Mast.
- Binnenbords und außenbords: zur Mitte des Bootes hin oder über seine Seiten hinaus.
Relative Peilungen
Wenn du ein anderes Boot, eine Tonne oder etwas anderes meldest, beschreibst du seine Lage bezogen auf den Bug mit diesen Bereichen:
| Begriff | Richtung vom Boot aus |
|---|---|
| Recht voraus | Genau vorn |
| Dicht an Backbord- oder Steuerbordbug | Etwas seitlich von voraus |
| An Backbord- oder Steuerbordbug | Etwa 45 Grad vom Bug |
| Querab (Backbord oder Steuerbord) | Im rechten Winkel, 90 Grad |
| Backbord oder Steuerbord achteraus | Etwa 45 Grad vom Heck |
| Recht achteraus | Genau dahinter |
Du kannst eine relative Peilung auch in Grad angeben, gemessen im Uhrzeigersinn vom Bug: Ein Schiff „rot 30“ steht 30 Grad an Backbordbug; „grün 90“ ist querab an Steuerbord. Manche Ausbilder bevorzugen Gradangaben; die meisten Fahrtenskipper verwenden die Begriffe Bug, querab und achteraus. Eine gute Meldung lautet: „Schiff an Steuerbordbug, etwa zwei Meilen, kreuzt von links nach rechts.“
Windbegriffe
- Luv: die Seite, von der der Wind kommt. Auch Wetterseite genannt.
- Lee: die vom Wind abgewandte Seite. Die Leeseite.
- Gegen den Wind und vor dem Wind (raumschots): zum Windursprung hin und von ihm weg.
- Backbordbug und Steuerbordbug: Ein Boot segelt auf Steuerbordbug, wenn der Wind über seine Steuerbordseite kommt (und sein Baum deshalb nach Backbord ausgestellt ist). Das ist für die Ausweichregeln zwischen Segelfahrzeugen wichtig, die in den COLREGs-Lektionen behandelt werden.
- Krängung: die seitliche Neigung eines Segelboots. 15 bis 20 Grad sind für die meisten Fahrtenyachten normal und angenehm; deutlich mehr bedeutet, dass das Boot überpowert ist und gerefft werden sollte.
- Im Wind: der Bug zeigt genau in den Wind; die Segel killen und das Boot bleibt stehen.
Eine praktische Regel: Wirf Dinge (zum Beispiel Abwaschwasser) immer nach Lee über Bord, und übergib dich immer nach Lee. Wer es nach Luv tut, lernt die Lektion schnell.
Alltägliche seemännische Begriffe
Diese Wörter wirst du in Kommandos hören. Die meisten haben eine genaue Bedeutung.
Umgang mit Leinen
- Belegen (festmachen): eine Leine sichern, meist an einer Klampe.
- Fieren: eine Leine kontrolliert und schrittweise nachlassen. Das Gegenteil ist dichtholen oder anholen.
- Loswerfen (Leine los): eine Leine ganz lösen. Tu das nur auf Kommando.
- Einen Törn nehmen: die Leine ein- oder zweimal um eine Winsch oder Klampe legen, damit die Reibung hilft, sie zu halten.
- Slippen lassen (schricken): die Leine langsam um eine Winsch oder Klampe rutschen lassen und dabei die Kontrolle behalten.
- Tailen (Lose durchholen): das freie Ende einer Leine von der Winsch ziehen, während jemand anderes kurbelt.
- Aufschießen und verstauen: die Lose ordentlich aufschießen und sichern, damit sie beim nächsten Gebrauch frei laufen kann.
- Tampen (Bitterende): das äußerste Ende einer Leine oder der Ankerkette.
- Lose und dicht (steif): locker und straff.
- Belegen: festmachen. „Belegen!“ heißt im Englischen („belay that“) auch „Kommando zurück“.
Manöver und das Boot
- Wende: den Bug durch den Wind drehen, sodass die Segel auf die andere Seite gehen. Die Kommandofolge lautet „Klar zur Wende“, Antwort „Ist klar“, dann „Ree“.
- Halse: das Heck durch den Wind drehen. Der Baum schlägt schnell über.
- Abfallen: vom Wind wegdrehen. Anluven: zum Wind hin drehen.
- Fahrt machen, in Fahrt, Fahrt durchs Wasser: „In Fahrt“ heißt weder vor Anker noch am Ufer festgemacht noch auf Grund. „Fahrt durchs Wasser machen“ heißt, sich tatsächlich durchs Wasser zu bewegen. Ein Boot ohne Fahrt durchs Wasser lässt sich nicht steuern.
- Achteraus Fahrt machen: rückwärts fahren.
- Abhalten: das Boot von einem Hindernis wegdrücken, idealerweise mit einem Fender, nicht mit Händen oder Füßen zwischen zwei Booten.
- Fender: ein aufblasbares Polster, das außenbords gehängt wird, um den Rumpf längsseits zu schützen.
- Festmacherleinen: die Leinen zum Festmachen: Vorleine, Achterleine und Springleinen (diagonal laufende Leinen, die verhindern, dass sich das Boot nach vorn und achtern bewegt). Sie werden in Anlegen und Bootshandling behandelt.
- Längsseits: neben einem Steg, einer Kaimauer oder einem anderen Boot liegen.
- Knoten: eine Seemeile pro Stunde. Eine Seemeile ist 1852 Meter lang, etwa 15 Prozent länger als eine Landmeile. Eine typische 11-Meter-Fahrtenyacht segelt mit 5 bis 7 Knoten.
- Kabellänge: ein Zehntel einer Seemeile, etwa 185 Meter.
- Faden: 6 Fuß (1,83 Meter), noch auf alten Seekarten zu finden.
Rufe und Antworten
An Deck wird ein Kommando beantwortet, damit der Skipper weiß, dass es gehört wurde. Eine gute Gewohnheit ist, die Schlüsselwörter zu wiederholen: Auf „Groß fieren“ antwortest du „Groß wird gefiert“. Wenn du etwas nicht verstanden hast, sag es sofort. „Wie bitte?“ ist viel sicherer als Raten.
Rufe, die du sofort kennen musst:
- „Mann über Bord!“ Zeig auf die Person und hör nie auf zu zeigen. Behandelt in Mann-über-Bord-Manöver.
- „Kopf runter!“ oder „Baum!“ Sofort den Kopf einziehen.
- „Klar halten“ (Stand by) Mach dich für das nächste Kommando bereit.
- „Festhalten!“ Eine große Welle oder eine plötzliche Bewegung kommt.
Systeme unter Deck
Unter Deck ist die Yacht ein kleines Haus mit Wasserleitungen, Elektrik, Gas und Motor, alles in einem beweglichen, feuchten Raum. Als Competent Crew musst du diese Systeme nicht warten, aber du musst sie erkennen und die Sicherheitsregeln kennen. Der Bordalltag wird in Leben an Bord und Wachsysteme behandelt.
Namen der Räume
- Salon: der Hauptwohnraum mit Tisch und Sitzbänken.
- Pantry (Kombüse): die Küche.
- Toilette (Nasszelle, engl. „heads“): der Toiletten- und Waschraum.
- Kartentisch (Navigationsecke): der Navigationsplatz, meist nahe dem Niedergang, mit UKW-Funkgerät, Instrumenten und Schalttafel.
- Kojen: die Betten. Eine Vorschiffskoje oder V-Koje liegt im Bug; Hundekojen oder Achterkabinen liegen unter der Plicht. Leesegel sind Stoffbahnen, die verhindern, dass du auf See aus einer Salonkoje rollst.
- Schott: eine Wand im Boot. Decke (Deckshimmel): die Decke. Bodenbretter (Kajütboden): der Fußboden.
- Schapps (Staufächer): Schränke. Auf See kommt alles in ein Staufach; nichts bleibt lose liegen.
Der Motor
Die meisten Yachten haben einen kleinen Einbau-Dieselmotor mit 20 bis 60 PS, meist unter den Niedergangsstufen. Als Crew wirst du vielleicht gebeten, die täglichen Kontrollen durchzuführen oder dabei zu helfen. Im Englischen merkt man sie sich als WOBBLES (Water, Oil, Belts, Bilges, Leaks, Electrics, Sea-water strainer: Kühlwasser, Öl, Keilriemen, Bilge, Lecks, Elektrik, Seewasserfilter); ausführlich behandelt in Motorkontrollen und Wartung. Wenn der Motor läuft, sollte der Auspuff am Heck Kühlwasser ausspucken. Wenn kein Wasser herauskommt, sag es sofort dem Skipper, denn der Motor wird überhitzen.
Seeventile und Borddurchlässe
Ein Seeventil ist ein Ventil an einer Leitung, die unter oder nahe der Wasserlinie durch den Rumpf führt: Kühlwassereinlass des Motors, Zu- und Ablauf der Toilette, Spülbeckenabläufe sowie die Geber für Tiefe und Fahrt. Eine typische Yacht hat 6 bis 12 davon. Neben jedem sollte für Notfälle ein Weichholzpfropfen angebunden sein. Der Hebel ist meist offen, wenn er längs zur Leitung liegt, und geschlossen, wenn er quer dazu steht. Wisse, wo sie sind: Wenn Wasser ins Boot eindringt, ist ein defektes Seeventil oder ein undichter Schlauch eines der ersten Dinge, die man prüft.
Bilgepumpen
Jede Yacht hat mindestens eine Handbilgepumpe (meist von der Plicht aus mit einem abnehmbaren Hebel bedient) und oft eine elektrische Bilgepumpe mit automatischem Schwimmerschalter. Finde den Pumpenhebel am ersten Tag. Der Skipper bittet dich vielleicht, jeden Morgen die Bilge zu lenzen und zu melden, wie viele Pumpenhübe es gebraucht hat: Ein plötzlicher Anstieg bedeutet ein neues Leck.
Elektrik
Eine Yacht läuft mit 12-Volt-Batterien, die von der Lichtmaschine des Motors, über Landstrom oder Solarpaneele geladen werden. Der Batteriehauptschalter schaltet alles ab. Die Schalttafel am Kartentisch hat Sicherungsautomaten für Positionslichter, Instrumente, Pumpen und so weiter. Batteriestrom ist auf See kostbar: Schalte Licht aus, wenn du es nicht brauchst. Wenn das Boot am Landstrom hängt (230 Volt in einer Marina), behandle ihn genauso vorsichtig wie den Netzstrom zu Hause und fass das Kabel nie mit nassen Händen an.
Gas
Die meisten Yachten kochen mit Flüssiggas (Butan oder Propan), das in einem abgedichteten Gaskasten mit Ablauf nach außenbords gelagert wird, mit einem Absperrventil an der Flasche und oft einem Magnetventilschalter in der Pantry. Flüssiggas ist schwerer als Luft und sinkt in die Bilge, wo ein Funke es entzünden kann. Die vollständige Sicherheitsroutine steht in Leben an Bord und Wachsysteme; die Kurzfassung: Dreh das Gas an der Flasche ab, wenn du es nicht benutzt, und lass einen brennenden Herd nie unbeaufsichtigt.
Wasser und Toilette
Frischwasser wird in Tanks von typischerweise 150 bis 400 Litern mitgeführt und von einer elektrischen Pumpe zu den Wasserhähnen gepumpt. Geh sparsam damit um. Die Bordtoilette pumpt Seewasser hinein und Abwasser über Seeventile hinaus oder in einen Fäkalientank; sie verstopft leicht, deshalb kommt nichts hinein, was du nicht vorher gegessen hast, außer ein wenig Toilettenpapier. Lass sie dir am ersten Tag vorführen.
Wo die Sicherheitsausrüstung ist
Vor dem Auslaufen zeigt dir der Skipper die Rettungswesten, Feuerlöscher, die Löschdecke (nahe der Pantry), den Erste-Hilfe-Kasten, die Signalraketen und Handfackeln, die Rettungsinsel und das UKW-Funkgerät. Präge dir einen Plan im Kopf ein. Im Notfall hat niemand Zeit zum Suchen.
Beispiel mit Lösungsweg
Es ist der erste Morgen deines Competent-Crew-Kurses in Lymington. Der Skipper sagt: „Bevor wir ablegen, hol die Fender an Backbord ein, dann geh nach vorn und nimm die Lose aus der Reffleine der Rollanlage. Wenn ich es sage, fierst du die Vorleine um die Klampe und wirfst los.“
Übersetze das in Handlungen:
- Fender an Backbord: die linke Seite, wenn du nach vorn schaust. Binde sie vom Seezaun los (sie hängen am Relingsdraht, nicht an den Füßen der Relingsstützen) und verstau sie in der Backskiste.
- „Geh nach vorn“: Geh über das Seitendeck Richtung Bug, eine Hand für dich und eine für das Boot.
- Reffleine der Rollanlage: die Leine, die die Genua einrollt. Zieh vorsichtig, bis sie straff ist, ohne das Segel auszurollen.
- Vorleine um die Klampe: die Festmacherleine vom Bug. Nimm die Kreuzschläge ab, mit denen sie belegt ist, behalte einen Rundtörn um die Klampe, damit du die Last halten kannst, und fiere sie, während sich das Boot bewegt.
- „Loswerfen“: Zieh sie von der Klampe, hol sie an Bord und schieß sie auf, damit sie nicht in der Nähe des Propellers durchs Wasser schleift.
Draußen im Solent bittet dich der Skipper um eine Meldung zu einem großen Schiff. Du siehst es links, etwa auf halbem Weg zwischen genau voraus und genau seitlich. Deine Meldung: „Schiff an Backbordbug, etwa drei Meilen, fährt nach links.“ Sein rotes Licht bei Nacht würde dir zeigen, dass du auf seine Backbordseite schaust.
Häufige Fehler
- Links und rechts benutzen. Die Bedeutung ändert sich, sobald sich jemand umdreht. Sag jedes Mal Backbord und Steuerbord, am Ende der Woche sogar an Land.
- Schoten und Fallen verwechseln. Wer an einem Fall zieht, wenn er eine Schot trimmen soll, kann ein Segel herunterfallen lassen oder blockieren.
- Sich gegen den Seezaun lehnen oder sich daran einpicken. Er ist nicht dafür gebaut, dein Gewicht bei einem Sturz zu tragen; pick dich an den Strecktauen oder festen Punkten ein.
- Einen belasteten Stopper öffnen oder eine belastete Leine von der Klampe nehmen, ohne einen Törn auf einer Winsch. Das kann dir in Sekundenbruchteilen die Haut von den Händen reißen.
- In einer Bucht (Schlaufe) einer Leine stehen. Kommt die Leine unter Last, kann sie deinen Fuß oder Knöchel einklemmen.
- Die Winschkurbel in der Winsch stecken lassen. Sie kann über Bord getreten werden oder unter Last herumschlagen.
- Kommandos nicht beantworten. Schweigen lässt den Skipper im Unklaren, ob jemand zugehört hat.
Zusammenfassung
- Der Rumpf hat Bug, Heck, Backbord- und Steuerbordseite, einen Kiel für die Stabilität und ein Ruder zum Steuern.
- An Deck gibt es Seezaun, Strecktaue (zum Einpicken), Klampen, Winschen und Stopper; in der Plicht befindet sich der Steuerstand.
- Das Rigg besteht aus Mast und Baum, gehalten vom stehenden Gut (Vorstag, Achterstag, Wanten) und bedient über das laufende Gut (Fallen setzen, Schoten trimmen).
- Jedes Segel hat Kopf, Hals und Schothorn sowie Vorliek, Achterliek und Unterliek.
- Richtungen werden bezogen auf das Boot angegeben: voraus, achtern, querab, am Bug, achteraus, Luv und Lee.
- Kommandos verwenden präzise Wörter: fieren, dichtholen, belegen, einen Törn nehmen, loswerfen. Bestätige sie immer.
- Unter Deck solltest du Motor, Seeventile, Bilgepumpen, Elektrik, Gas, Toilette und den Ort der gesamten Sicherheitsausrüstung kennen.
Kontrollfragen
- Du schaust zum Heck. Welche Seite des Bootes ist links von dir?
Antwort: Steuerbord. Backbord und Steuerbord werden immer mit Blick zum Bug festgelegt; wenn du nach achtern schaust, ist deine linke Hand also auf der Steuerbordseite.
- Was ist der Unterschied zwischen einem Fall und einer Schot?
Antwort: Mit einem Fall wird ein Segel am Mast gesetzt; eine Schot stellt den Winkel des Segels zum Wind ein.
- Nenne die drei Ecken eines Segels.
Antwort: Kopf (oben), Hals (vorn unten) und Schothorn (hinten unten).
- Wo pickst du deinen Lifebelt ein, wenn du nachts nach vorn gehst, und warum nicht am Seezaun?
Antwort: An den Strecktauen oder einem anderen dafür vorgesehenen festen Punkt. Der Seezaun ist nicht dafür gebaut, die Ruckbelastung eines stürzenden Menschen aufzunehmen.
- Eine Tonne liegt im rechten Winkel zum Boot auf der rechten Seite. Wie meldest du sie?
Antwort: „Tonne querab an Steuerbord“ (oder „grün 90“).
- Was bedeutet „Schot fieren“?
Antwort: Die Schot kontrolliert und schrittweise nachlassen, sodass das Segel weiter nach außen geht.
- Warum solltest du dem Skipper sagen, wenn kein Wasser aus dem Auspuff kommt?
Antwort: Das Kühlwasser des Motors zirkuliert nicht, also wird er überhitzen. Die übliche Ursache ist ein geschlossenes Seeventil, ein verstopfter Filter oder ein defekter Impeller.
- Welche Seite ist Lee, und warum ist das wichtig, wenn du Abwaschwasser über Bord kippst?
Antwort: Lee ist die vom Wind abgewandte Seite. Wirf Dinge nach Lee, damit der Wind sie vom Boot wegträgt und nicht zurück über dich.
Weiterführende Literatur
- RYA Competent Crew Handbook (G72): das offizielle Kursbuch mit Abbildungen aller Teile des Bootes.
- RYA Start Yachting (G25) als breitere Einführung.
- Auf dieser Website: Leben an Bord und Wachsysteme, Kurse zum Wind und Steuern, Knoten und Tauwerk, Arbeiten mit Beiboot und Dingi und Motorkontrollen und Wartung.