Voraussetzungen
Bevor du anfängst, solltest du:
- Das Day-Skipper-Niveau besitzen oder gerade darauf hinarbeiten: Du solltest in einem Einrumpfboot segeln, ankern, anlegen und einen Küstentörn planen können.
- Die Lektion zum Anlegen und Manövrieren auf engem Raum gelesen haben.
Lernziele
Am Ende dieser Lektion solltest du in der Lage sein:
- Zu erklären, wie sich die Stabilität eines Katamarans von der eines Einrumpfbootes unterscheidet, und warum sich dadurch das Reffen ändert.
- Einen Katamaran mit zwei Motoren im Hafen zu manövrieren, indem du die Motoren zum Steuern einsetzt.
- Einen Katamaran effizient zu segeln, einschließlich Wenden, und die typischen Bedienungsfehler zu vermeiden.
- Mit einem Bridle zu ankern und die besonderen Sicherheitsmerkmale und Risiken des Katamarans zu kennen.
Stabilität: Warum ein Katamaran anders ist
Ein Einrumpfboot wird durch seinen Ballastkiel stabilisiert. Wenn es sich krängt, wächst die aufrichtende Kraft, erreicht ihr Maximum bei etwa 60 bis 90 Grad, und das Boot warnt dich, dass es durch die Krängung überlastet ist und in den Wind luvt.
Ein Katamaran wird durch seine Breite stabilisiert: Der leewärtige Rumpf trägt das Gewicht. Seine aufrichtende Kraft ist bei kleinen Winkeln sehr groß und erreicht ihr Maximum schon bei nur etwa 10 bis 15 Grad Krängung, wenn der luvseitige Rumpf abhebt. Danach fällt sie schnell ab, und über etwa 90 Grad hinaus ist das Boot auch kieloben stabil.
Was das für den Skipper bedeutet:
- Das Boot segelt flach, daher warnt es dich nicht durch Krängung. Eine Böe, die ein Einrumpfboot auf die Seite legen würde, lässt einen Katamaran nur beschleunigen und belastet die Takelage.
- Reffe nach der Windstärke, anhand der Refftabelle des Herstellers und des wahren Windes auf den Instrumenten, nicht nach Gefühl. Reffe früh, besonders vor dem Wind, wo sich der scheinbare Wind leicht anfühlt.
- Halte die Großschot griffbereit zum Freigeben und belege sie bei böigem Wetter nie und gehe dann weg.
Motorsteuerung
Die meisten Fahrtenkatamarane haben zwei Motoren, je einen in jedem Rumpf, etwa 6 bis 8 Meter voneinander entfernt. Das ergibt einen Hebelarm, der sie unter Motor sehr manövrierfähig macht, mehr als mit den Ruderblättern, die bei niedriger Fahrt kaum Wirkung haben.
| Motor Backbord | Motor Steuerbord | Ergebnis |
|---|---|---|
| Vorwärts | Vorwärts | Geradeaus vorwärts |
| Vorwärts | Rückwärts | Dreht sich auf der Stelle nach rechts (zu Steuerbord) |
| Rückwärts | Vorwärts | Dreht sich auf der Stelle nach links (zu Backbord) |
| Vorwärts | Neutral | Dreht sich während der Vorausfahrt nach Steuerbord |
- Zentriere die Ruderblätter und steuere in engen Räumen mit den Gashebeln.
- Um seitwärts zu fahren, kombiniere gegenläufige Motoren mit den Ruderblättern: Zum Beispiel Backbord voraus und Steuerbord zurück mit Ruder nach Backbord bewegt das Boot nach Backbord. Übe dieses „Schieben“ zuerst auf offenem Wasser.
- Die hohen Aufbauten und der flache Unterwasserteil erzeugen viel Windangriff und wenig Halt: Bei Seitenwind rutscht das ganze Boot. Nähere dich wenn möglich gegen den Wind.
Segeln
- Am Wind: Katamarane können nicht so hoch an den Wind wie eine Hochleistungs-Einrumpfyacht, typischerweise nur 50 bis 55 Grad zum wahren Wind. Nicht anluven: Halte das Boot in Fahrt.
- Wenden: Ein leichter Katamaran verliert in der Wende schnell Fahrt. Baue Geschwindigkeit auf, drehe gleichmäßig und halte die Fock kurz back, wenn sie stehen bleibt. Bleibt das Boot im Wind stehen, setze mit den Ruderblättern zurück oder benutze einen Motor.
- Vor dem Wind: schnell und komfortabel, aber der scheinbare Wind ist gering und verdeckt die wahre Windstärke. Reffe, bevor du wieder am Wind kursst.
- Geschwindigkeit: Ein Katamaran kann surfen und die Rumpfgeschwindigkeit übertreffen; achte darauf, dass sich bei großen Folgeseen der leewärtige Bug nicht in die Welle bohrt.
Ankern und Festmachen
Ankere mit einem Bridle: zwei Leinen von jedem Bug zu einem Haken an der Kette. Das verteilt die Last und verhindert, dass das Boot um seinen Anker schwojt. Lasse das Bridle nach dem Setzen des Ankers so weit aus, dass die Kette unterhalb des Bridles hängt. Katamarane gehen wenig tief, daher kannst du näher an Land ankern, doch ihr Windangriff bewirkt, dass sie sich bei Nachbarn anders schwojen als Einrumpfboote.
An Mooringbojen führst du von jedem Bug eine Leine durch das Auge der Boje und zurück, statt einer einzelnen Leine, um Scheuern und Herumschlagen zu verhindern.
Sicherheit
- Kenterung: Ein gekenterter Katamaran schwimmt meist. Bleibe beim Boot. Die meisten Fahrtenkatamarane haben Notluken in den Rümpfen; wisse, wo sie sind und wie man sie öffnet, und halte eine Fluchttasche und ein Messer griffbereit.
- Brückendeck-Schlagen: Wellen treffen auf die Unterseite des Decks zwischen den Rümpfen. Verlangsame oder ändere den Kurs.
- Sicherheit der Crew: Das große, flache Deck wirkt sicher, aber das Boot beschleunigt bei Böen stark. Sichere dich mit Lifebelt unter den gleichen Bedingungen wie auf einem Einrumpfboot.
Praxisbeispiel
Du charterst einen 12-Meter-Katamaran. Die Vorhersage lautet 15 Knoten wahrer Wind mit Böen bis 22, und die Refftabelle sagt, das erste Reff bei 18 Knoten wahrem Wind und das zweite bei 24. Die Crew genießt einen Raumschotkurs mit 12 Knoten scheinbarem Wind.
- Auf einem Raumschotkurs ist der scheinbare Wind deutlich geringer als der wahre Wind. Prüfe den wahren Wind auf den Instrumenten: In den Böen liegt er bei 22 und damit über dem Punkt für das erste Reff.
- Luve an und reffe, bevor es schlimmer wird, die Großschot griffbereit zum Fieren. Gereffnet ist das Boot leichter zu handhaben und sicherer für den Kreuzkurs zurück, bei dem der scheinbare Wind zunehmen wird.
Häufige Fehler
- Nach Gefühl statt nach der Windstärke reffen.
- Bei niedriger Fahrt mit dem Steuerrad statt mit den Motoren steuern.
- Quer zu einem starken Wind in einen Liegeplatz einlaufen, ohne einen Plan für den Windangriff.
- Die Großschot bei böigem Wetter belegen.
Zusammenfassung
- Ein Katamaran ist bei kleinen Winkeln stabil, gibt aber keine Warnung durch Krängung: Reffe nach den Zahlen.
- Zwei weit auseinanderliegende Motoren machen ihn sehr manövrierfähig: Steuere bei niedriger Fahrt mit den Gashebeln.
- Benutze beim Ankern ein Bridle und an Bojen eine doppelte Leine.
- Wenn er kentert, schwimmt er meist: Bleibe beim Boot und wisse, wo die Notluken sind.
Verständnisfragen
- Warum solltest du einen Katamaran nach der Windstärke statt nach Gefühl reffen?
Antwort: Er segelt flach und gibt keine Krängungswarnung, wenn er überlastet ist, also musst du die Instrumente und die Refftabelle benutzen.
- Wie drehst du einen Katamaran mit zwei Motoren auf der Stelle nach Steuerbord?
Antwort: Motor Backbord voraus, Motor Steuerbord zurück, Ruderblätter zentriert.
- Wozu dient ein Anker-Bridle?
Antwort: Es verteilt die Ankerlast auf beide Bug und verhindert, dass das Boot um seinen Anker schwojt.
- Warum ist das Segeln vor dem Wind irreführend?
Antwort: Der scheinbare Wind ist deutlich geringer als der wahre Wind, daher fühlt sich der Wind leichter an, als er ist.
- Was solltest du tun, wenn ein Katamaran kentert?
Antwort: Bleibe beim Boot, das meist schwimmt, und benutze die Notluken, falls du im Inneren eingeschlossen bist.