Voraussetzungen
- Du hast die Lektionen Seekarten und Standortbestimmung (Kartensymbole, Peilungen, rechtweisend und missweisend) sowie Gezeiten und Steuerkurs (Gezeitenhöhen und Gezeitenströme) durchgearbeitet.
- Du kennst die Grundlagen der Kollisionsverhütungsregeln, besonders die Regeln für enge Fahrwasser und Verkehrstrennungsgebiete, auf dem Niveau der Lektion Passing the ICC Practical Assessment.
- Du kannst dein Boot unter Motor im Hafen manövrieren. Hafenmanöver werden in den Praxislektionen wie Motor Cruiser Handling behandelt.
Lernziele
Am Ende dieser Lektion kannst du:
- Jedes IALA-Zeichen (Seitenzeichen, Abzweigungszeichen, Kardinalzeichen, Einzelgefahrenzeichen, Ansteuerungszeichen, Sonderzeichen und Zeichen für neue Gefahren) an Form, Farbe, Toppzeichen und Feuer erkennen und sagen, was es bedeutet und was du daraufhin tust (Prüfungsleitfaden, Pilotage 1).
- Den Unterschied zwischen IALA-Region A und Region B erklären und wissen, wo welche gilt.
- Feuerkennungen in der Seekarte entschlüsseln, etwa Fl(2)10s oder Q(6)+LFl15s.
- Sagen, wo du örtliche Vorschriften, Signale für Ein- und Auslaufen, VTS und Angaben zum Hafenfunk (Port Operations) für einen Hafen findest (ICC-Küstensyllabus, Navigation 2; Prüfungsleitfaden, Pilotage 2).
- Ein Einlaufen oder Auslaufen für ein kleines Boot planen, unter Berücksichtigung großer Schiffe und Gefahren, mit Deckpeilungen, Sicherheitspeilungen und Leitfeuern (Navigation 3; Prüfungsleitfaden, Pilotage 3).
Was der Prüfer fragen wird
Der RYA-Leitfaden gibt dem Prüfer drei Punkte zur Revierfahrt vor:
- Fragen zu Tonnen „sollen in der Form ‚Was ist das für eine Tonne und was bedeutet sie?' gestellt werden“. Dir wird also ein Zeichen gezeigt (in einer Seekarte, auf einer Karte oder einem Bild), und du sollst es benennen und sagen, was es für dich bedeutet.
- „Wo findest du die örtlichen Vorschriften für einen Hafen?“ Der Prüfer muss sicherstellen, dass du weißt, „dass es örtliche Regeln gibt und dass sie in Segelhandbüchern / Hafenhandbüchern und nautischen Almanachen zu finden sind“.
- „Nimm eine Übungskarte und erläutere die wichtigsten Punkte des Plans für das Ein- oder Auslaufen. Achte besonders darauf, dass der Plan zu einem kleinen Boot passt und nicht zu einem großen Schiff.“
Der letzte Satz ist wichtig: Ein Plan für ein kleines Boot nutzt das flache Wasser außerhalb des Fahrwassers der Großschifffahrt und hält sich von Schiffen fern.
Das IALA-Betonnungssystem
Tonnen und Baken folgen weltweit dem IALA-Betonnungssystem. Du erkennst ein Zeichen tagsüber an Farbe und Toppzeichen und nachts an Farbe und Rhythmus des Feuers. Die Form (Stumpftonne, Spitztonne, Leuchttonne, Spierentonne) hilft, ist aber weniger zuverlässig, weil viele Leucht- und Spierentonnen die Farben der Seitenzeichen tragen.
Region A und Region B
Zwischen den beiden IALA-Regionen gibt es einen einzigen Unterschied, und er betrifft nur die Seitenzeichen:
- Region A: Backbordzeichen sind rot, Steuerbordzeichen sind grün. Gilt in Europa (einschließlich des gesamten Mittelmeers), Afrika, dem größten Teil Asiens, Australien und Neuseeland.
- Region B: Backbordzeichen sind grün, Steuerbordzeichen sind rot („red right returning“). Gilt in Nord-, Mittel- und Südamerika, Japan, Südkorea und auf den Philippinen.
Die Formen ändern sich nicht: Stumpftonnen sind immer Backbordzeichen, Spitztonnen immer Steuerbordzeichen. Kardinalzeichen, Einzelgefahrenzeichen, Ansteuerungszeichen und Sonderzeichen sind in beiden Regionen gleich.
Wenn du irgendwo in Europa charterst, gilt Region A. In Teilen der Karibik, etwa auf den Virgin Islands und den Bahamas, gilt Region B.
Seitenzeichen
Seitenzeichen kennzeichnen die Seiten eines Fahrwassers.
| Backbordzeichen | Steuerbordzeichen | |
|---|---|---|
| Farbe (Region A) | Rot | Grün |
| Form | Stumpftonne (oder Leucht-/Spierentonne) | Spitztonne (oder Leucht-/Spierentonne) |
| Toppzeichen | Ein roter Zylinder | Ein grüner Kegel, Spitze oben |
| Feuer (Region A) | Rot, beliebiger Rhythmus | Grün, beliebiger Rhythmus |
Betonnungsrichtung
„Backbordzeichen“ heißt: Das Zeichen soll auf deiner Backbordseite liegen, wenn du in Betonnungsrichtung fährst. Diese Richtung ist:
- Einlaufend: von See her auf einen Hafen, Fluss oder eine Flussmündung zu.
- Entlang der Küsten eine von den Behörden festgelegte allgemeine Richtung, in der Seekarte durch einen magentafarbenen Pfeil mit zwei Punkten dargestellt. Rund um Großbritannien verläuft sie grob von Südwest nach Nordost: den Ärmelkanal hinauf, die Westküste hinauf und die Ostküste hinauf nach Norden.
Beim Auslaufen lässt du also die roten Zeichen an Steuerbord und die grünen an Backbord.
Was tust du? Einlaufend in Region A hältst du die rote Stumpftonne an Backbord und die grüne Spitztonne an Steuerbord. Bleib in dem Fahrwasser, das sie markieren, und mit einem kleinen Boot nahe an seinem Steuerbordrand (siehe den Abschnitt über große Schiffe).
Abzweigungszeichen
Wo sich ein Fahrwasser teilt, zeigt ein abgewandeltes Seitenzeichen, welcher Arm das Hauptfahrwasser ist:
- Hauptfahrwasser an Steuerbord: ein Backbordzeichen (rote Stumpftonne) mit einem breiten grünen Band, rotem Zylinder als Toppzeichen, Feuer Fl(2+1)R. Behandle es wie ein Backbordzeichen, um im Hauptfahrwasser zu bleiben.
- Hauptfahrwasser an Backbord: ein Steuerbordzeichen (grüne Spitztonne) mit einem breiten roten Band, grünem Kegel als Toppzeichen, Feuer Fl(2+1)G. Behandle es wie ein Steuerbordzeichen, um im Hauptfahrwasser zu bleiben.
Kardinalzeichen
Ein Kardinalzeichen sagt dir, auf welcher Seite einer Gefahr das sichere Wasser liegt. Ein Nord-Kardinalzeichen liegt nördlich einer Gefahr, also passierst du es nördlich. Kardinalzeichen sind gelb-schwarze Leucht- oder Spierentonnen mit zwei schwarzen Kegeln als Toppzeichen.
| Zeichen | Toppzeichen (zwei Kegel) | Farben (von oben nach unten) | Feuer (weiß) |
|---|---|---|---|
| Nord | Beide Spitzen oben | Schwarz über Gelb | VQ oder Q, ununterbrochen |
| Ost | Grundflächen zueinander (Spitzen nach außen) | Schwarz, Gelb, Schwarz | VQ(3) alle 5s oder Q(3) alle 10s |
| Süd | Beide Spitzen unten | Gelb über Schwarz | VQ(6) + LFl alle 10s oder Q(6) + LFl alle 15s |
| West | Spitzen zueinander (Taille) | Gelb, Schwarz, Gelb | VQ(9) alle 10s oder Q(9) alle 15s |
Merkhilfen:
- Die Kegelspitzen zeigen, wo das Schwarz ist: Spitzen oben, Schwarz oben (Nord); Spitzen unten, Schwarz unten (Süd); Spitzen nach außen, Schwarz an beiden Enden (Ost); Spitzen nach innen, Schwarz in der Mitte (West).
- Die Feuer folgen einem Zifferblatt: 3 Blitze bei 3 Uhr (Ost), 6 bei 6 Uhr (Süd), 9 bei 9 Uhr (West), ununterbrochen bei 12 (Nord). Der lange Blitz nach den sechs Blitzen des Süd-Kardinalzeichens verhindert eine Verwechslung mit Ost oder West.
Was tust du? Auf der Seite passieren, die das Zeichen nennt, mit vernünftigem Abstand. „Das ist ein Süd-Kardinalzeichen. Die Gefahr liegt nördlich davon, also passiere ich es südlich.“
Weitere Zeichen
Einzelgefahrenzeichen
- Schwarz mit einem oder mehreren breiten roten Bändern, Leucht- oder Spierentonne.
- Toppzeichen: zwei schwarze Bälle übereinander.
- Feuer: weiß, Fl(2) (Gruppe aus zwei Blitzen).
- Bedeutung: Es liegt direkt auf einer kleinen, einzelnen Gefahr mit befahrbarem Wasser rundherum. Passiere es auf beliebiger Seite, aber mit großem Abstand: Das Zeichen sitzt auf der Gefahr. Merkhilfe: zwei Bälle, zwei Blitze.
Ansteuerungszeichen
- Rot-weiß senkrecht gestreift, Kugel-, Leucht- oder Spierentonne.
- Toppzeichen: ein roter Ball.
- Feuer: weiß, Iso, Oc, LFl 10s oder Morse „A“ (Mo(A), kurz-lang).
- Bedeutung: sicheres Wasser rundherum. Es markiert oft die Ansteuerung, den Beginn eines betonnten Fahrwassers oder die Fahrwassermitte. Beim Anlaufen eines Hafens von See her ist es ein guter Wegpunkt.
Sonderzeichen
- Gelb, jede Form, die nicht mit anderen Zeichen verwechselt werden kann.
- Toppzeichen: ein gelbes liegendes Kreuz (Andreaskreuz).
- Feuer: gelb, jeder Rhythmus, der nicht für weiße Feuer verwendet wird.
- Bedeutung: in erster Linie kein Navigationszeichen. Es markiert ein besonderes Gebiet oder Objekt: eine Regattatonne, ein Baggergut-Verklappungsgebiet, ein militärisches Übungsgebiet, eine Rohrleitung oder ein Kabel, eine Messtonne, einen Wasserski- oder Badebereich. Seekarte und Hafenhandbuch sagen dir, was genau. Im Mittelmeer markieren Reihen kleiner gelber Tonnen parallel zum Strand Badezonen (oft etwa 200 bis 300 m vom Ufer entfernt), in denen Motorboote verboten sind oder in einer gekennzeichneten Zufahrtsgasse nur langsam fahren dürfen.
Neue Gefahren und die Notfall-Wracktonne
Eine neue Gefahr ist eine, die noch nicht in Seekarten oder Segelhandbüchern verzeichnet ist, etwa ein frisches Wrack. Die Behörden markieren sie schnell mit normalen Kardinal- oder Seitenzeichen, oft doppelt (zwei gleiche Zeichen), und manchmal mit einer Radarbake (Racon), die den Morsebuchstaben „D“ zeigt.
Viele Behörden, darunter Trinity House in Großbritannien, verwenden außerdem die Notfall-Wracktonne (emergency wreck marking buoy):
- Blau-gelb senkrecht gestreift.
- Toppzeichen: ein aufrechtes gelbes Kreuz (+).
- Feuer: abwechselnd blaue und gelbe Blitze.
Was tust du? Behandle sie als ernste Gefahr, die nicht in deiner Seekarte steht. Halte großen Abstand und informiere dich über Einzelheiten in den Nachrichten für Seefahrer und den nautischen Warnnachrichten (Navtex und UKW).
Feuerkennungen
Die meisten Zeichen und alle Leuchttürme tragen Feuer, und jedes Feuer hat eine Kennung, damit du es nachts erkennen kannst. Die Seekarte gibt sie in Kurzform neben dem Feuersymbol an.
| Abkürzung | Name | Was du siehst |
|---|---|---|
| F | Festfeuer | Ein gleichmäßiges Licht. |
| Fl | Blitz | Licht kürzer als Dunkel. Fl(3) bedeutet Gruppen aus drei Blitzen. |
| LFl | Langer Blitz | Ein Blitz von mindestens 2 Sekunden. |
| Q | Funkel | 50 bis 79 Blitze pro Minute (meist 60). |
| VQ | Schnelles Funkeln | 80 bis 159 Blitze pro Minute (meist 100 oder 120). |
| Iso | Gleichtakt | Licht und Dunkel gleich lang. |
| Oc | Unterbrochen | Licht länger als Dunkel: ein Dauerlicht, das kurz ausgeht. |
| Al | Wechselfeuer | Wechselt die Farbe, z. B. Al WR. |
| Mo(A) | Morsefeuer | Der gezeigte Buchstabe, hier A (kurz-lang). |
| Fl(2+1) | Zusammengesetzte Gruppe | Zwei Blitze, dann einer; für Abzweigungszeichen. |
Eine vollständige Kennung entschlüsseln
Neben einem Leuchtturm steht in der Seekarte Fl(2)WR 10s 15m 12/9M:
- Fl(2): Gruppen aus zwei Blitzen.
- WR: weiß und rot, was bei einem Leuchtturm Sektoren bedeutet. Im Gefahrensektor siehst du rot, im sicheren Sektor weiß.
- 10s: Der volle Zyklus (die Wiederkehr) wiederholt sich alle 10 Sekunden.
- 15m: Das Feuer liegt 15 Meter über MHWS.
- 12/9M: Nenntragweite 12 Seemeilen für Weiß, 9 Seemeilen für Rot.
Um ein Feuer zu erkennen, zählst du die Blitze einer Gruppe und stoppst die Wiederkehr vom ersten Blitz einer Gruppe bis zum ersten Blitz der nächsten.
Dem Prüfer antworten
Nutze die Formel: Name, Bedeutung, Handlung. Zum Beispiel:
- „Das ist ein West-Kardinalzeichen: gelb, schwarz, gelb, Kegelspitzen zueinander, nachts Q(9) alle 15 Sekunden. Die Gefahr liegt im Osten, also passiere ich es westlich.“
- „Das ist eine rote Stumpftonne mit rotem Zylinder als Toppzeichen: ein Backbord-Seitenzeichen in Region A. Beim Einlaufen halte ich es an meiner Backbordseite.“
- „Das ist ein Einzelgefahrenzeichen: schwarz mit rotem Band und zwei schwarzen Bällen. Direkt darunter liegt eine kleine Gefahr mit sicherem Wasser rundherum, also halte ich auf beiden Seiten großen Abstand.“
Örtliche Vorschriften und wo du sie findest
Häfen ergänzen die Kollisionsverhütungsregeln um eigene Regeln, zum Beispiel:
- Geschwindigkeitsbegrenzungen (oft 4 bis 6 Knoten in Häfen und Marinas und in vielen Mittelmeerländern 3 bis 5 Knoten in Strandnähe).
- Fahrwasser für Kleinfahrzeuge oder die Vorschrift, dass Kleinfahrzeuge außerhalb des Hauptfahrwassers bleiben müssen.
- Gebiete, in denen Ankern, Fischen oder Baden verboten ist.
- Regeln rund um große Schiffe, etwa Southamptons mitlaufende Sperrzone (moving prohibited zone), die 1.000 Meter vor einem großen Schiff und 100 Meter zu beiden Seiten reicht.
Wo du sie findest:
- Hafenhandbücher (Segelhandbücher): Yacht-Handbücher von Imray, Bloomsbury (Adlard Coles) und anderen sowie die Admiralty Sailing Directions. Sie beschreiben für jeden Hafen Ansteuerung, Gefahren, Vorschriften, Liegeplätze und Einrichtungen.
- Nautische Almanache wie Reeds: eine Seite pro Hafen mit UKW-Kanälen, Signalen, örtlichen Regeln, Gezeitendaten und einem Hafenplan.
- Websites der Hafenbehörden, örtliche Nachrichten für Seefahrer und das Büro des Hafenmeisters.
- Kartenvermerke, die Charter-Einweisung und im Ausland das Büro des Hafenmeisters (in Griechenland die Hafenpolizei).
Antworte dem Prüfer schlicht: „Die örtlichen Regeln für diesen Hafen stehen im Hafenhandbuch und im Almanach sowie auf der Website der Hafenbehörde. Beim Anlaufen würde ich außerdem den UKW-Kanal des Hafens abhören.“
Hafensignale, VTS und Hafenfunk
Internationale Hafenverkehrssignale
Viele größere Häfen regeln den Verkehr mit Lichtern an einem Signalmast an der Einfahrt. Die meisten nutzen die International Port Traffic Signals (IPTS): drei Lichter senkrecht übereinander.
| Signal | Lichter | Bedeutung |
|---|---|---|
| 1 | Drei rote, blitzend | Ernster Notfall: Alle Fahrzeuge stoppen oder weichen nach Anweisung aus. |
| 2 | Drei rote, fest oder langsam unterbrochen | Fahrzeuge dürfen nicht fahren. |
| 3 | Drei grüne, fest oder langsam unterbrochen | Fahrzeuge dürfen fahren: Einbahnverkehr. |
| 4 | Zwei grüne über einem weißen | Fahrzeuge dürfen fahren: Gegenverkehr. |
| 5 | Grün, weiß, grün | Ein Fahrzeug darf nur fahren, wenn es dazu eine ausdrückliche Anweisung erhalten hat. |
Ein gelbes Licht links neben dem obersten Hauptlicht, zusammen mit Signal 2 oder 5 gezeigt, bedeutet: Fahrzeuge, die sicher außerhalb des Hauptfahrwassers fahren können, müssen das Signal nicht befolgen. Kleinfahrzeuge gehören oft zu dieser Gruppe, aber prüfe die örtlichen Regeln: Viele Häfen legen genau fest, welche Fahrzeuge darunter fallen.
Manche Häfen nutzen ältere örtliche Signale; der Almanach führt auf, was jeder Hafen verwendet. Im Zweifel bleib draußen und ruf den Hafen über UKW.
VTS und Hafenfunk
- Verkehrszentralen (Vessel Traffic Services, VTS) lenken die Schifffahrt in belebten Häfen mit Radar und AIS. Große Schiffe müssen sich melden; Kleinfahrzeuge meist nicht, sollten aber mithören und sich freihalten.
- Port Operations (oder Hafenfunk) ist der UKW-Arbeitskanal des Hafens für Verkehrsinformationen, Liegeplätze und Genehmigungen. Marinas haben ihren eigenen Kanal, in Großbritannien oft Kanal 80.
- Die Kanalnummern stehen im Almanach, im Hafenhandbuch, in der Seekarte (ein kleiner magentafarbener Kreis mit dem Kanal) und auf der Website des Hafens.
Gute Praxis für ein kleines Boot:
- Schlag vor dem Ein- oder Auslaufen den UKW-Kanal des Hafens und etwaige Meldepunkte nach.
- Hör beim Anlaufen auf diesem Kanal mit (Dual Watch mit Kanal 16, wenn dein Funkgerät das kann). So hörst du, wann Schiffe sich bewegen und ob der Hafen will, dass Kleinfahrzeuge warten.
- Ruf nur, wenn die örtlichen Regeln es verlangen, wenn du Anweisungen brauchst oder wenn du ein Fahrwasser queren musst und unsicher bist.
- Benutze Kanal 16 nicht für den normalen Hafenverkehr.
Ein Ein- oder Auslaufen planen
Revierfahrt ist Navigation nach Sicht in engen Gewässern, ohne Zeit für Kartenarbeit. Das Denken erledigst du also vorher.
Was ein Revierfahrtplan für ein kleines Boot enthält
- Zeitplanung. Gezeitenhöhe für genügend Wassertiefe (Gezeitenhöhe zu den Kartentiefen addieren oder trockenfallende Höhen abziehen), der Gezeitenstrom in der Einfahrt (starken Strom gegen starken Wind vermeiden) und Tageslicht.
- Die Ansteuerung. Ein sicherer Ausgangspunkt (oft ein Ansteuerungszeichen oder ein klar erkennbares Kap) und das erste Zeichen, das du finden musst.
- Die Route in Teilstrecken. Jede Teilstrecke von Zeichen zu Zeichen, mit Peilung (missweisend) und Distanz und dem, was du an ihrem Ende sehen solltest.
- Gefahren entlang jeder Teilstrecke: Felsen, Untiefen, Wracks, Muringtonnen und die Tiefe, die das Echolot zeigen sollte.
- Sicherheitslinien. Deckpeilungen, Leitlinien, Sicherheitspeilungen oder Tiefenlinien, die dich von den Gefahren freihalten.
- Verkehr. Wo das Fahrwasser der Großschifffahrt liegt und wo du dich dazu befindest; Fähren und ihre Liegeplätze; Stellen, an denen du queren musst.
- Örtliche Regeln und Signale: Geschwindigkeitsbegrenzungen, Hafenverkehrssignale, UKW-Kanäle.
- Der Liegeplatz. Wohin du fährst, mit welcher Seite du anlegst, welche Fender und Leinen du brauchst.
- Abbruchpunkte und ein Plan B. Wo du umkehrst, wenn die Zeichen nicht da sind, wo sie sein sollten, oder die Einfahrt zu rau aussieht, und wohin du stattdessen fährst.
Schreib den Plan groß auf eine Karte, die an Deck lesbar ist, am besten mit einer Skizze der Einfahrt.
Deckpeilungen und Leitlinien
Eine Deckpeilung sind zwei in der Seekarte verzeichnete Objekte, die du in einer Linie siehst. Solange sie in Linie bleiben, befindest du dich auf der Linie, die in der Seekarte durch sie gezogen ist. Eine Deckpeilung braucht keinen Kompass, funktioniert bei Querstrom (du siehst die Versetzung sofort, wenn die Objekte auseinanderlaufen) und ist sehr genau. Natürliche Deckpeilungen (ein Felsen auf einem Hügel, eine Kirche in Linie mit einem Kap) und künstliche (zwei Baken) funktionieren beide.
Eine Leitlinie ist eine gezielt angelegte Deckpeilung: zwei Zeichen oder Feuer, das hintere höher, so aufgestellt, dass du im sicheren Fahrwasser bleibst, solange du sie in Linie hältst. Erscheint das hintere Zeichen links vom vorderen, bist du links von der Linie: Steuer nach rechts, bis sie wieder in Linie stehen.
Sicherheitspeilungen
Eine Sicherheitspeilung (Sicherheitslinie) ist eine Peilung auf ein in der Seekarte verzeichnetes Objekt, die dich von einer Gefahr freihält. Du ziehst eine Linie vom Objekt am Rand der Gefahr vorbei, misst sie und notierst, ob die Peilung größer oder kleiner als dieser Wert bleiben muss.
Beispiel: Südlich deiner Ansteuerung liegt eine Untiefe. Eine Linie von einer Kirchturmspitze knapp nördlich an der Untiefe vorbei misst 270°M. Solange der Kirchturm kleiner als 270°M peilt, bist du nördlich der Linie und frei. Steigt die Peilung über 270°, läufst du auf die Gefahr zu: sofort abdrehen. Notiere es als „Kirchturm NMT 270°M“ (nicht mehr als).
Großen Schiffen aus dem Weg bleiben
Hier unterscheidet sich der Plan für ein kleines Boot von dem eines Schiffs.
- Nutze das flache Wasser. Ein Schiff braucht das ausgebaggerte Fahrwasser. Du oft nicht. Plane, am Rand des Fahrwassers oder knapp außerhalb zu fahren, in Wasser, das bei diesem Gezeitenstand tief genug für deinen Tiefgang ist. Viele Häfen haben genau deshalb einen empfohlenen Weg für Kleinfahrzeuge.
- Regel 9. In einem engen Fahrwasser darf ein Fahrzeug unter 20 Metern Länge oder ein Segelfahrzeug ein Fahrzeug nicht behindern, das nur innerhalb des Fahrwassers sicher fahren kann. Halte dich an die Steuerbordseite des Fahrwassers.
- Queren. Wenn du ein Fahrwasser queren musst, tu es im rechten Winkel (mit deinem Steuerkurs, nicht deinem Kurs über Grund), zügig und wenn es in beide Richtungen frei ist. Wähle eine Querungsstelle mit guter Sicht, nicht in einer Kurve.
- Große Schiffe können weder stoppen noch wenden. Ein großes Schiff braucht unter Umständen eine Seemeile oder mehr zum Aufstoppen und sieht dich dicht vor seinem Bug womöglich nicht.
- Hör den Hafenkanal ab und beobachte AIS, wenn du es hast.
- Schau nach achtern nach Schiffen und schnellen Fähren.
Auslaufpläne
Ein Auslaufplan ist dasselbe in umgekehrter Richtung und wird vor dem Ablegen vorbereitet: Signale, der Weg hinaus mit seinen Sicherheitslinien, Verkehr und die erste Position auf See.
Bei Nacht
Derselbe Plan funktioniert nachts mit Feuerkennungen, Sektorenfeuern, Leitfeuern und dem Echolot, aber unbefeuerte Tonnen verschwinden. Lauf einen unbekannten Hafen nach Möglichkeit nicht nachts an.
Beispiel mit Lösungsweg: Ein Einlaufplan für ein kleines Boot
Der Prüfer zeigt dir eine Übungskarte eines Hafens mit einem betonnten Fahrwasser für große Schiffe, das von Süden nach Norden hineinführt. Auf der Westseite der Einfahrt liegt ein trockenfallendes Felsriff, auf seiner Fahrwasserseite durch ein Ost-Kardinalzeichen markiert. Auf der Ostseite wird das Wasser außerhalb des Fahrwassers allmählich flacher bis auf 3 Meter. Direkt hinter der Einfahrt liegt ein Fähranleger. Dein Boot hat 1,8 m Tiefgang, und die Gezeitenhöhe bei Ankunft wird 2,5 m betragen.
Erkläre es dem Prüfer so:
- „Aus dem Almanach: Die örtlichen Regeln sagen, dass Kleinfahrzeuge möglichst außerhalb des Hauptfahrwassers bleiben, der Hafen nutzt die International Port Traffic Signals, und Port Operations hat einen eigenen UKW-Kanal. Den würde ich ab zwei Seemeilen vorher abhören.“
- „Ich starte am Ansteuerungszeichen am äußeren Ende des Fahrwassers. Meine erste Teilstrecke ist 355°M, etwa 1,5 Seemeilen.“
- „Ich fahre an der Ostseite des Fahrwassers hinauf, knapp außerhalb der grünen Steuerbordtonnen. Die Kartentiefe dort ist 3 Meter, plus 2,5 Meter Gezeit, also etwa 5,5 Meter. Das lässt reichlich Wasser unter meinem 1,8-Meter-Kiel und hält mich den Schiffen aus dem Weg.“
- „Die Gefahr ist das trockenfallende Riff auf der Westseite. Ich halte mich weit östlich davon. Das Ost-Kardinalzeichen sagt mir, dass ich es östlich passieren soll, und dort bin ich sowieso.“
- „Meine Sicherheitslinie: eine Sicherheitspeilung auf den Kirchturm voraus, NMT 010°M, hält mich östlich des Riffs. Peilt der Kirchturm mehr als 010°, werde ich nach Westen darauf zu versetzt. Und das Echolot sollte nicht weniger als 4 Meter zeigen.“
- „Vor der Einfahrt prüfe ich die Hafensignale. Sehe ich drei rote Lichter, dürfen Kleinfahrzeuge nur dann außerhalb des Fahrwassers weiterfahren, wenn das gelbe Ausnahmelicht gezeigt wird; sonst warte ich draußen, frei vom Fahrwasser.“
- „Ich halte achteraus Ausguck nach der Fähre, und wenn eine ausläuft, warte ich außerhalb des Fahrwassers und lasse sie passieren. Wenn die Zeichen nicht stimmen oder in der Einfahrt hohe See steht, kehre ich zum Ansteuerungszeichen zurück und laufe den Ausweichhafen fünf Seemeilen östlich an.“
- „Im Hafen gilt 5 Knoten; Fender und Leinen an Backbord klar für den Gastanleger.“
Das ist ein Plan, der zu einem kleinen Boot passt: flaches Wasser sicher genutzt, das Fahrwasser den Schiffen überlassen, Gefahren durch einfache Sichtkontrollen umfahren.
Häufige Fehler
- Eine Tonne beschreiben, statt sie zu deuten. Der Prüfer will den Namen und was du daraufhin tust.
- Die Betonnungsrichtung vergessen. Beim Auslaufen liegen die roten Zeichen an Steuerbord (in Region A).
- Dicht an einem Einzelgefahrenzeichen vorbeifahren. Es sitzt direkt auf der Gefahr.
- Überall Region A annehmen. In Amerika und Teilen der Karibik sind die Farben der Seitenzeichen vertauscht.
- Einen Schiffsplan schreiben. Wer mit einem kleinen Boot dem Tiefwasserfahrwasser folgt, ist den Schiffen im Weg. Nutze die Ränder und das flache Wasser, wo die Tiefe es erlaubt.
- Nicht wissen, wo die örtlichen Regeln stehen. Hafenhandbuch, Almanach, Hafenbehörde. Sag das.
- Keine Sicherheitslinien. Ein Plan mit Teilstrecken, aber ohne Deckpeilung, Sicherheitspeilung oder Tiefenkontrolle warnt dich nicht, wenn du versetzt wirst.
Zusammenfassung
- IALA-Zeichen erkennst du an Farbe, Toppzeichen und Feuer; die Form hilft. Region A (Europa und der größte Teil der Welt) hat Rot an Backbord; Region B (Amerika, Japan, Korea, Philippinen) hat Grün an Backbord. Die Formen sind in beiden gleich.
- Seitenzeichen zeigen die Fahrwasserseiten in Betonnungsrichtung (von See einlaufend). Abzweigungszeichen haben ein Band und ein Fl(2+1)-Feuer.
- Kardinalzeichen zeigen, wo das sichere Wasser liegt: auf der genannten Seite passieren. Die Feuer folgen der Uhr: ununterbrochen, 3, 6 plus lang, 9.
- Einzelgefahr: schwarz-rot, zwei schwarze Bälle, Fl(2). Ansteuerung: rot-weiß gestreift, roter Ball, Iso/Oc/LFl 10s/Mo(A). Sonderzeichen: gelb, gelbes X. Notfall-Wrack: blau-gelb gestreift, gelbes Kreuz, abwechselnd blaues und gelbes Feuer.
- Örtliche Vorschriften stehen in Hafenhandbüchern, Almanachen und Quellen der Hafenbehörde.
- IPTS: rot blitzend, Notfall; drei rote, nicht fahren; drei grüne, Einbahnverkehr; grün, grün, weiß, Gegenverkehr; grün, weiß, grün, nur auf ausdrückliche Anweisung. Ein gelbes Licht kann Boote ausnehmen, die außerhalb des Hauptfahrwassers bleiben können.
- Hör den UKW-Kanal des Hafens ab.
- Ein Revierfahrtplan für ein kleines Boot umfasst Zeitplanung, Teilstrecken, Gefahren, Sicherheitslinien, Verkehr, Regeln, den Liegeplatz und einen Abbruchplan und hält sich von den großen Schiffen fern.
Kontrollfragen
- Du siehst eine gelb-schwarze Leuchttonne, oben schwarz, mit zwei Kegeln, beide Spitzen nach oben. Was ist das, und was tust du?
Antwort: Ein Nord-Kardinalzeichen. Das sichere Wasser liegt im Norden, also passierst du es nördlich. Nachts zeigt es ein ununterbrochenes weißes Funkel- oder schnelles Funkelfeuer.
- Nachts siehst du ein weißes Feuer, das alle 10 Sekunden in Zweiergruppen blitzt, auf einer schwarzen Tonne mit rotem Band. Was ist das?
Antwort: Ein Einzelgefahrenzeichen. Es liegt direkt auf einer kleinen Gefahr mit sicherem Wasser rundherum, also passierst du es auf beliebiger Seite mit gutem Abstand.
- Du läufst in Region A aus einem Hafen aus. Auf welcher Seite hältst du die roten Stumpftonnen?
Antwort: An Steuerbord. Rote Zeichen liegen nur an Backbord, wenn du in Betonnungsrichtung fährst, also von See her einlaufend.
- Du charterst eine Yacht auf den British Virgin Islands. Was ändert sich bei der Betonnung?
Antwort: Dort gilt IALA-Region B, also sind Backbordzeichen (Stumpftonnen) grün und Steuerbordzeichen (Spitztonnen) rot. Beim Einlaufen hältst du die roten Zeichen an Steuerbord. Kardinal- und andere Zeichen sind gleich.
- Was ist eine gelbe Tonne mit einem X als Toppzeichen, und was solltest du tun?
Antwort: Ein Sonderzeichen. Es markiert ein besonderes Gebiet oder Objekt (Badezone, Kabel, Verklappungsgebiet, Übungsgebiet, Messtonne). Prüfe in Seekarte und Hafenhandbuch, was es markiert und welche Regeln gelten, etwa eine Geschwindigkeitsbegrenzung oder ein Sperrgebiet.
- Du siehst eine blau-gelb gestreifte Tonne mit einem gelben Kreuz obendrauf. Was bedeutet das?
Antwort: Eine Notfall-Wracktonne: ein neues Wrack, das noch nicht in der Seekarte steht. Halte großen Abstand und prüfe die nautischen Warnnachrichten und Nachrichten für Seefahrer.
- Wo findest du die örtlichen Vorschriften für einen Hafen, den du noch nie besucht hast?
Antwort: Im Hafenhandbuch (Segelhandbuch) und im nautischen Almanach für das Gebiet, ergänzt durch die Website der Hafenbehörde, örtliche Nachrichten für Seefahrer, Kartenvermerke und die Charter- oder Marina-Einweisung.
- Beim Anlaufen eines Hafens siehst du drei grüne Lichter senkrecht übereinander am Signalmast. Was bedeutet das?
Antwort: Internationales Hafenverkehrssignal 3: Fahrzeuge dürfen fahren, Einbahnverkehr.
- Was bedeutet grün, weiß, grün senkrecht übereinander?
Antwort: Signal 5: Ein Fahrzeug darf nur fahren, wenn es dazu eine ausdrückliche Anweisung erhalten hat, meist über UKW vom Hafen oder der VTS.
- Nenne drei Merkmale, die einen Einlaufplan für ein kleines Boot statt für ein großes Schiff geeignet machen.
Antwort: Drei beliebige aus: Wasser außerhalb oder am Rand des Hauptfahrwassers nutzen, wo die Tiefe es erlaubt; sich an die Steuerbordseite eines engen Fahrwassers halten und Schiffe nicht behindern (Regel 9); das Fahrwasser im rechten Winkel und nur bei freier Bahn queren; den UKW-Kanal des Hafens abhören; Deckpeilungen, Sicherheitspeilungen und Tiefenkontrollen nutzen; einen Abbruchpunkt und einen Ausweichhafen haben; achteraus Ausguck nach Schiffen und Fähren halten.